Die Leere hinter Söder

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Die CSU im Landtag. MIKE SCHIER.

Es gab eine Zeit, da mutierten Klausurtagungen der CSU-Landtagsfraktion zu politischen Festspielen: ambitionierte Konzepte wurden geschrieben, inhaltliche Debatten geführt, Intrigen gesponnen. TV-Sender berichteten live aus Kreuth oder Banz, weil sich hier entschied, wohin der Freistaat in den kommenden Monaten steuern würde.

Lang ist’s her. Die Fraktion, die sich selbst unter dominanten Ministerpräsidenten wie Edmund Stoiber und Horst Seehofer als Herzkammer der CSU definierte, ist still geworden. Heute heißen die Herzschrittmacher Söder, Söder und Söder. Der Parteichef scheint überall gleichzeitig den Ton vorzugeben. Fraktionschef Thomas Kreuzer beschränkt sich darauf, für dessen Kurs die Mehrheiten zu organisieren. Während der Corona-Krise waren kaum Ideen aus der Fraktion zu vernehmen – Söder bediente sich bei Vorstößen von Grünen oder FDP.

Die Landtagsfraktion ist kein Einzelfall. Landesgruppe? Junge Union? Wirtschafts- oder Sozialflügel? In der CSU, die sich lange in interne Streitigkeiten verheddert hatte, sind zu viele Debatten verstummt. Für Söder mag das den Regierungsalltag ungemein erleichtern. Doch eine Volkspartei sollte sich breit aufstellen. Inhaltlich wie personell. Schon jetzt weiß keiner, wer die CSU als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl führen könnte, sollte Söder in München bleiben. Und erst recht weiß keiner, wer Söder in München folgen soll, falls er nach Berlin geht.

Mike.Schier@ovb.net

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