Der Mietendeckel wird zum Albtraum

Berlins Mietwohnungsmarkt. GEORG ANASTASIADIS.

Vor einem halben Jahr erklärte der rot-rot-grüne Berliner Senat die Bundeshauptstadt zum Mieterparadies: Der Mietendeckel sollte die Preise einfrieren und dort, wo sie nach Meinung der Politik zu hoch waren, Senkungen erzwingen. Die Bilanz nach sechs Monaten hält für die gebeutelten Wohnungssuchenden eine gute und eine schlechte Nachricht parat. Die gute: Beim Internet-Vermittler „Immoscout“ sind die Angebotsmieten um fünf Prozent gesunken. Die schlechte: Es gibt kaum mehr Angebote.

Dort, wo der Mietendeckel greift, nämlich bei den vor 2014 gebauten Wohnungen, sind die Mietofferten fast um die Hälfte eingebrochen. Dafür wuchs das Angebot an Eigentumswohnungen um 40 Prozent. Mit anderen Worten: Berlins Mietwohnungsmarkt ist zusammengebrochen, weil die Eigentümer lieber verkaufen, als sich mit politisch verordneten Preisen herumzuschlagen. Auf der Verliererstraße stehen jetzt die, denen das Geld fehlt, um selbst Eigentum zu erwerben. Immer länger werden die Schlangen der Interessenten, die sich um die wenigen verbliebenen Mietobjekte balgen.

Das Experiment ist also geglückt: Der Senat hat mit einem Federstrich den Sozialismus auf dem Wohnungsmarkt wieder zum Leben erweckt. Nur leider mit all seinen Schattenseiten, die Honeckers Erben viele Jahre in der DDR hätte studieren können. Auch da gab es dank staatlich administrierter Preise alles billig – aber, wie beim Trabbi oder dem Wartburg, nur mit viel Glück und/oder nach jahrelanger Wartezeit. Preise spiegeln die Knappheit von Gütern wider. Wohnungsknappheit zaubert man nicht weg, indem die Regierung an den Preisen fummelt. Sondern indem man entweder selber baut – oder andere zum Bauen animiert. Private Investoren zum Beispiel. Die aber haben SPD, Grüne und Linke in Berlin wohl dauerhaft verschreckt.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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