Naturschützer ziehen Bilanz zum Volksbegehren

Insektenvielfalt auf reichhaltigen Blüten – Naturschützer fordern mehr Unterstützung für einen funktionierenden Biotopverbund. BN

Mühldorf. –Die Naturschützer ziehen eine gemischte Bilanz zum Volksbegehren Artenvielfalt im Landkreis Mühldorf: Der Bund Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) fordern mehr Schub für einen funktionierenden Biotopverbund, die Renaturierung von Mooren und mehr Unterstützung für die Bio-Landwirtschaft.

Die Aufnahme neuer Verpflichtungen in das Bayerische Naturschutzgesetz durch das Volksbegehren jährt sich am 1. August. Im Landkreis Mühldorf hatten rund 17 Prozent der Bevölkerung dafür gestimmt. Was ist seitdem im Landkreis für die Artenvielfalt passiert?

„Durch das Volksbegehren haben die Themen Artenvielfalt und Insektensterben viel mehr Aufmerksamkeit bekommen, und auch bei uns im Landkreis hat sich etwas getan“, bilanziert Dr. Andreas Zahn, Kreisvorsitzender des BN. Viele Kommunen, Landwirte sowie Verbraucher hätten verstärkt dazu beigetragen. „Wir beobachten, dass Gemeinden ihre Grünflächen seltener mähen, Landwirte bunte Wiesenränder stehen lassen und in Gärten verstärkt Wildblumen für Insekten blühen“, so Günther Weitzer, Vorsitzender der Kreisgruppe des LBV.

Die Verbände begrüßen die Anlage von hochwertigen Blühflächen durch Maschinenring und Landwirte. Das Volksbegehren gäbe auch dem Landschaftspflegeverband und wichtigen Naturschutzaktionen Rückenwind, wie etwa dem Projekt „Schätze der Eiszeitlandschaft“.

Im Landkreis werden derzeit 5,5 Prozent der Ackerfläche und 9,6 Prozent des Dauergrünlands nach Ökolandbau-Kriterien bewirtschaftet. Hier sehen BN und LBV Steigerungspotenzial. Insbesondere, wenn die Nachfrage nach Bioprodukten verbessert wird, wie etwa durch Angebote in Kantinen öffentlicher Einrichtungen. Beide Verbände arbeiten erfolgreich beim Naturschutz mit Landwirten zusammen. Weitzer betont: „Für eine echte Trendwende wäre eine Ökologisierung der EU-Agrarförderungen entscheidend.“

Defizite auf lokaler Ebene sehen die Naturschutzverbände besonders bei Moorschutz und Biotopverbund. So wäre im FFH-Gebiet Isental (Fauna-Flora-Habitat) eine Wiedervernässung der Niedermoorstandorte dringend erforderlich, beim Biotopverbund seien naturnahe Lebensräume zu schaffen. „Streifen mit Sonnenblume und Co. zwischen Acker und Straße genügen hier aber nicht“, erklärt Zahn. „Sie stellen sogar eine ökologische Falle dar, da die hier überwinternden Insekten kaum überleben, wenn die Streifen im Winter umgepflügt werden.“ Große Hoffnung setzen die Verbände auf neue Uferrandstreifen an Gewässern. Auf der Wunschliste der Naturschützer steht auch die insektenfreundliche Mahd.

Beide Verbände erbitten von Kreistag und Gemeinderäte, das Thema Biodiversität in der Bauleitplanung noch besser zu verankern. Nur wenn die Förderung der Biodiversität zusammen mit dem Klimaschutz bei allen Planungen Thema sei, könne es gelingen, eine Trendwende beim Schutz der Artenvielfalt zu erreichen.

Der BN hat die Umsetzung des Volksbegehrens in Form einer Ampel bewertet, einsehbar unter www.bund-naturschutz.de/volksbegehren-artenvielfalt-aktueller-stand.html.

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