Volle Campingplätze im Chiemgau – „Die Leute sind unheimlich achtsam“

Camping Hofbauer in Prien: „Wir haben jeden Tag gut 100 Anfragen.“
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Camping Hofbauer in Prien: „Wir haben jeden Tag gut 100 Anfragen.“
  • vonMartin Tofern
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Trotz oder gerade wegen Corona laufen die Geschäfte für die Betreiber von Plätzen für Wohnwagen und Zelte gut. Die Nachfrage sei gigantisch und die meisten Gäste sehr diszipliniert.

Prien/Oberwössen – Lange Zeit waren die Campingplätze im Chiemgau geschlossen. Aber wer erwartet hatte, dass das Geschäft nur sehr vorsichtig anläuft, der hat sich getäuscht: „Die Nachfrage ist gigantisch groß“, sagt Jasmin Hofbauer, Geschäftsführerin von Hofbauer Camping in Prien. „Wir haben jeden Tag gut 100 Anfragen.“

Derzeit seien viele deutsche Gäste da und nur wenige aus dem Ausland. Und die deutschen Camper seien selten auf der Durchreise, sondern blieben länger. Auslandsreisen seien derzeit ja noch stark eingeschränkt und vielen Urlaubern zu unsicher.

„Die Gäste sind sehr freundlich und dankbar“

Trotz Corona und Reisestress bezeichnet Hofbauer die Lage auf ihrem Platz als „total tiefenentspannt.“ Die Gäste haben sie überrascht: „Die Leute sind unheimlich freundlich, dankbar und achtsam, das ist schon sehr auffällig dieses Jahr“, sagt Hofbauer. „Alle halten von sich aus den Mindestabstand ein, so positiv haben wir das nicht erwartet.“ Auf dem Platz muss niemand auf den Mindestabstand achten, da jede Parzelle 100 Quadratmeter groß ist. Und jede hat einen eigenen Frischwasser- und Abwasseranschluss. Wohnwagenbesitzer mit eigenem Sanitärbereich sind in Sachen Hygieneregeln also fein raus.

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Alle anderen sind auf die Sanitäranlagen der Plätze angewiesen. Bei denen war lange nicht klar, ob sie überhaupt geöffnet werden dürfen, doch auch das hat sich inzwischen eingespielt. Das Hygienekonzept muss streng beachtet werden: Maske, Mindestabstand, vorgegebene Laufwege und die vorgeschriebene maximale Anzahl von Personen in Sanitärbereich und Spülküche.

Auf den Tischen gibt es weder Tischdecken noch Salzstreuer oder Besteck

Camping Hofbauer hat das Sanitärhaus in besonderer Weise aufgerüstet. Dort wurden ein Zähler und eine Ampel installiert, nach 15 Personen schaltet die Ampel auf Rot. Nummer 16 muss dann eben warten, bis wieder weniger Gäste in der Anlage sind.

Für die Restaurants der Campingplätze gelten ebenfalls die bekannten Hygieneregeln – etwa beim Panorama-Camping Harras am Ufer des Chiemsees. Dort stehen die Tische 1,5 Meter auseinander, auf den Tischen gibt es weder Tischdecken noch Salzstreuer oder Besteck. Das Bedienungspersonal arbeitet nur mit Mundschutz und die Gäste müssen Namen und Telefonnummer hinterlassen – wie in allen Restaurants.

Nicht ganz so euphorisch wie Jasmin Hofbauer ist Campingplatz-Betreiber Klaus Ritzinger. „Wir können nur beten, dass es nicht zu einer zweiten Infektionswelle kommt und dass das Geschäft langsam wieder anzieht“, sagt Ritzinger nachdenklich. Bei vollem Platz beherbergt er etwa 350 Camper. „Heuer kommen einige Gäste nicht aus Angst vor Corona.“ Doch trotz seiner Bedenken ist der Platz ordentlich gefüllt, es sind nur noch wenige Plätze frei.

Gäste bekommen wegen Corona einen Stellplatz auf dem Campingplatz zugewiesen

Mehr als zufrieden mit dem Geschäft ist Dorothee Löderbusch, Betriebsleiterin von Camping Litzelau in Oberwössen: „Das Geschäft läuft schon jetzt sehr, sehr gut. Und von Woche zu Woche wird es noch einmal besser.“ Buchungsanfragen per Mail oder Telefon müssen inzwischen mehrmals am Tag abgearbeitet werden. Normalerweise würden ihre Gäste auf die Anlage fahren und selbstständig einen Platz suchen. „Das geht aber in diesem Jahr wegen der Corona-Regeln nicht, wir müssen ihnen einen Platz zuweisen“, so Löderbusch.

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Schon im Juni war die Anlage komplett ausgebucht – „wie sonst nur im August.“ Im Sommer sei meist viel Bewegung unter den Gästen – viele machten nur für wenige Tage Station. Aber in diesem Jahr gebe es viele Reservierungen für eine Woche und länger.

Automaten erledigen die Formalitäten zur Anmeldung

„Wir sind jeden Tag voll“, sagt Oskar Deibert, Betreiber des Wohnmobilhafens in Bernau-Felden. Auf diesem Platz sind die Parzellen so großzügig angelegt, dass es für die Gäste nicht allzu schwer ist, den Mindestabstand einzuhalten. „Wir haben den Platz komplett corona-konform gebaut, ohne dass wir geahnt haben, dass die Pandemie kommt“, erklärt Deibert. Den Service haben auf seinem Platz Maschinen übernommen: Die Gäste checken automatisch ein und am Ende bezahlen sie am Kassenautomaten. Wenn abends die Zahl von 50 Gästen erreicht ist, dann geht die Schranke einfach nicht mehr auf. Und das ist, wie erwähnt, derzeit jeden Abend der Fall.

Auch wenn Maskenpflicht und Hygieneregeln viele Gäste nerven: Corona beschert den Campingplätzen im Chiemgau – anders als zunächst befürchtet – gute Geschäfte. Der Urlaub im eigenen Land ist wieder angesagt. Jasmin Hofbauer bringt die Lage stellvertretend für alle Campingplatzbetreiber auf den Punkt: „Wir sind sehr zufrieden und dankbar.“

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