Albaching

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Albaching gehört zu denjenigen Ortsnamen, die von manchen Besuchern, aber auch von Medienvertretern, die es eigentlich besser wissen sollten, regelmäßig falsch ausgesprochen werden!

Denn wer hat hier noch nicht die Betonung auf der zweiten Silbe vernommen: Al-BACH-ing, statt richtig AL-bach-ing? Zum Trost: Schon im Mittelalter bereitete der Name gewisse Probleme. Aber schauen wir auf die Namenshistorie!

Auffällig: Die bairische Aussprache „Oibich“ steht tatsächlich der frühesten erhaltenen Schreibweise „Alpicha“ aus den Freisinger Traditionen, Nr. 278, von 808 näher als das modernere „Albaching“, das seit 1415 in den Urkunden Kurbayern, Nr. 32277, belegt ist.

Ist Oibich, auch Oiwich, tatsächlich ein über 1200 Jahre hinweg erhaltener Begriff? Jedenfalls: Die Namenserklärung von „Albaching“ hat noch kein endgültiges Ergebnis gezeitigt!

Der Ortsnamenforscher Wolf-Armin von Reitzen stein hat in seinem „Lexikon bayerischer Ortsnamen“ von 2006 zwei Möglichkeiten der Erklärung angeboten: Einerseits vom Namen des Gewässers Albach, andererseits von einem römischen Gentilnamen (Familiennamen) Albius her.

In der Zeit zwischen der ersten Nennung Alpicha von 808 bis zur heute gültigen Schreibung Albaching von 1415 gibt es laut dem „Reitzenstein“ die weiteren Belege: 818 Alpihha, 1162 bis 1172 Albichingen, im 12. Jahrhundert Alchingen, nach 1224 bis 1240 Albichinge, 1361 Albichen, 1379 Albiching und 1406 Albeching.

Aber bezeichnen die ersten beiden Nennungen wirklich den Ort Albaching? Oder allein den Namen des Baches „Albach“? Denn das Suffix -ing, das eine Zugehörigkeit oder ganz allgemein eine Individualisierung bezeichnet, taucht erst 1162 bis 1172 auf. Haben die Bewohner von „Oibich“ 2008 etwa verfrüht ihre 1200-Jahr-Feier begangen? Nicht unbedingt: Der Name Attel beispielsweise bezeichnet sowohl ein Gewässer als auch einen Ort.

Aber immerhin sorgt das Suffix -ingen, das erst gut 350 Jahre nach der Bezeichnung für den Bachnamen und Siedlungsnamen (?) auftaucht, zumindest für Klarheit, um den Namen der möglichen Siedlung Alpicha von dem des vorhandenen Gewässers Alpicha zu unterscheiden. Der Eintrag „Albichingen“ von 1162 bis 1172 bedeutet „Leute, die am Gewässer Albich (bairisch: Oibich) siedeln“.

Fehlt noch die Grundbedeutung von Alpicha. Professor Albrecht Greule trennt in seinem Standardwerk „Deutsches Gewässernamenbuch“ von 2013 den Namen, dem wohl ein keltisches Wasserwort (Hydronym) „Albika“ zugrunde liege, in zwei Teile: Er bestehe aus einem -ik-Suffix und einer „in Europa weit verbreiteten Flussnamen-Basis Alb- (urindogermanisch für ‚weiß‘)“.

Wir ergänzen: Aus -ik wurde infolge der hochdeutschen Lautverschiebung -ich. Als dann das -ich in „Albichingen“ nicht mehr als Suffix verstanden wurde, erfolgte eine Art Eindeutung mit den Wörtern „Ach“ und „Bach“. Der Bachname lautet übrigens heutzutage Mühlbach, weiter unten in Richtung Soyener See Nasenbach.

Freilich kann auch die Herleitung von einem Personennamen nicht ganz ausgeschlossen werden. Abgesehen vom römischen Albius – siehe oben – schlägt Heinrich Gotthard, „Gymnasial-Professor zu Freysing“, 1849 das Wort „Alb“ für einen „lichten, guten Geist“ vor. Kein schlechter Namenspatron wäre das, oder?

Armin Höfer

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