Licht am Ende des Tunnels

Die zwei Herberts: Herbert Weß an der Orgel und Herbert Gruber als Tenor gaben ein berührendes Konzert.
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Die zwei Herberts: Herbert Weß an der Orgel und Herbert Gruber als Tenor gaben ein berührendes Konzert.

Rosenheim – Mund und Nase vorschriftsmäßig hygienisch verpackt, die Ohren aber begierig weit offen, füllte eine interessierte Hörerschaft die Kirche Sankt Hedwig – mit dem gebotenen Abstand natürlich.

Die „beiden Herberts“, Herbert Weß an der Orgel und Herbert Gruber als Tenor, gaben den Startschuss zu einem hoffentlich wieder aufblühenden Rosenheimer Konzertleben, nun live und nicht nur übers Internet.

Ein wohldosierter Mix aus Orgelmusik, Gesang und geistlichen Texten zog das Publikum spürbar für eine Stunde in Bann. Herbert Weß hat ein unglaublich breit gefächertes Repertoire an Kostbarkeiten der Orgelliteratur auf Lager, und Herbert Gruber ist von der Empore, ob im Piano oder Fortissimo, derart präsent, als stünde er neben jedem einzelnen Hörer.

Auftakt mit Musikvon Nicolaus Bruhns

Den Reigen eröffnete das „Praeambulum in E“ von Nicolaus Bruhns. Dieser, 20 Jahre älter als der alte Bach, schien die Rolle eines „Jungen Wilden“ zu mimen und überraschte mit einer dynamisch feurigen, jugendlich- mitreißenden und absolut nicht barock „verzopften“ Musik. Herbert Weß unterstrich die Kühnheiten der Komposition durch eine sehr durchdachte Registrierung.

Nach der Begrüßung durch Pastoralreferenten Yunes Baccouche kam der sympathische Schweizer Komponist Willy Burkhard zu Wort, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebte. Seine Partita über „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ lässt in satten, abgedunkelten Farben auch die düsteren Töne des Lebens anklingen.

Hugo Wolfs „Gebet“ ist die berühmte Mörike-Vertonung, original für Klavier und Gesang. Herbert Gruber kostete mit weich-geschmeidiger Stimme die Innigkeit dieses nur scheinbar schlichten Liedes genussvoll aus.

Kontrast muss sein: Schmetternd tummelten sich die strahlenden Akkorde der „Batalla de Clarines“ des Hamburger Komponisten Andreas Willscher, Jahrgang 1955, von dem Herbert Weß schon öfter sehr inspirierte und originelle Stücke aufgeführt hat.

Romantische Besinnlichkeit atmen die beiden Gesänge aus dem 19. Jahrhundert: Albert Beckers „Meine Seele ist stille zu Gott“ und der Hymnus „Sperent in te omnes“ (Hoffnung erfüllt alle...) des lange Zeit unterschätzten Josef Gabriel Rheinberger. Hier brillierte Herbert Gruber mit großem Stimmumfang, langem Atem und suggestiver Interpretation. Dazwischen durfte auch ein Johann Sebastian Bach nicht fehlen: „O Lamm Gottes, unschuldig“, eines jener kunstvollen Choralvorspiele, die man mehrmals hören möchte, um ihren ganzen Reichtum zu erfassen!

EffektvollesSchlussstück

Nach gemeinsam gesungenem Lied und Segen wählte Herbert Weß als Finale das äußerst effektvolle Stück Variations sur „Christus vincit“ des heute 70-jährigen Kanadiers Denis Bédard. Auch hier hatte man wie bei Andreas Willscher das Gefühl, einem siegreichen Kampfgetümmel zu lauschen ( „Christus siegt“). Die Ohrwurm-Qualitäten der Melodik, eine enorm plastische Farbigkeit und die gewaltigen Steigerungen durch die sich türmenden Akkorde ließen durchaus an Filmmusik denken. Ein wirkungsvoller Abschluss des Abends – und jetzt sehnt man sich nach weiteren Live-Konzerten!

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