Skiurlauber – Feiern – Mehr Tests?

Corona-Hotspot Rosenheim: Auf der Spur der hohen Fallzahlen

Unheimliche Begegnung in der Heimat: Vor allem an Reiserückkehrer richtet sich das Test-Angebot auf der Loretowiese in Rosenheim.
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Unheimliche Begegnung in der Heimat: Vor allem an Reiserückkehrer richtet sich das Test-Angebot auf der Loretowiese in Rosenheim.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Rosenheim ist seit Beginn der Corona-Pandemie einer der Brennpunkte der Krise. Liegt‘s an den Skiurlaubern, an Festen, an Reiserückkehrern? Oder testen die Rosenheimer einfach mehr? Wie die Rosenheimer mit der Krise umgehen.

Rosenheim – Starke Schwankungen bestimmen das Bild der Corona-Landkarte Deutschlands. In der Stadt Rosenheim, in den vergangenen Wochen oft an der Spitze der Statistik der Neuansteckungen, hat sich die Lage leicht entspannt. Am Dienstag (15. September) verzeichnete das Robert-Koch-Institut einen Wert von 42,6 und damit deutlich unter dem Rosenheimer Spitzenwert von knapp unter 70.

Aufregung dagegen in Garmisch-Partenkirchen, wo der Wert schlagartig auf über 50 stieg. Eine junge Frau soll dafür Verantwortung tragen. Der mutmaßlichen Superspreaderin steht möglicherweise großer Ärger ins Haus. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim bestätigte, sind Ermittlungen gegen die 26-Jährige aufgenommen worden, die trotz Corona-Symptomen durch Kneipen getourt war und dabei eine Vielzahl von Menschen angesteckt hatte. „Wegen fahrlässiger Körperverletzung“, sagt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Süd, „das ist eine Straftat.

Polizei in Rosenheim lobt das Verhalten der Bürger

Ein Vergehen, mit der die Polizei in der Region Rosenheim offenbar kaum zu tun hat. „Partiell ist Verdruss zu spüren, also bei Einzelnen“, sagt Stefan Sonntag. „Aber insgesamt muss man sagen, dass die Bevölkerung sehr diszipliniert ist, und das schon über viele Monate hinweg. Die Menschen haben die Regeln sinnhaft angenommen. Deswegen halten sich alle an die Vorgaben,“

Jeden Tag führen Beamte in den neun Landkreisen des Bereichs des Polizeipräsidiums Süd sowie der kreisfreien Stadt Rosenheim Hunderte von Kontrollen durch. Am Montag zum Beispiel waren es 1535 Kontrollen, dabei stellten die Polizisten nach Angaben des Präsidiums 23 Verstöße fest, sechs kamen zur Anzeige.

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Eine Woche zuvor kontrollierte die Polizei 760mal, stellte vier Verstöße fest, zeigte aber niemanden an. Es komme, so fasst es Sonntag zusammen, eben auch darauf an, wie einsichtig sich der Betreffende verhalte. Nicht jeder, der etwa aus Schusseligkeit ohne Maske durch die Bahnhofshalle spaziere, werde sogleich abgestraft.

Offenbar muss die Polizei auch relativ selten eingreifen, weil jemand nach Rückkehr aus einem Risikogebiet oder positivem Test gegen die Verpflichtung zur Quarantäne oder häuslichen Isolation verstößt. Dass die Polizei einschreiten und Menschen in Gewahrsam nehmen müssen, wel sie beharrlich gegen die Quarantäne verstoßen, komme bayernweit nur in Einzelfällen vor.

Warum sind Rosenheims Zahlen so hoch?

Bleibt die Frage, warum ausgerechnet in Rosenheim die Zahlen anhaltend hoch sind. Wird andernorts weniger getestet? Vergangene Woche gab ein Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministeriums die Gesamtzahl der bayerischen Tests im 7-Tages-Mittel bei 5769 Tests pro Tag. Rechnet man diese Zahl auf die über 80 Testzentren des Freistaats um, kommt man im Schnitt auf rund 70 Testungen pro Tag und Testcenter.

In der Rosenheimer Station auf der Loretowiese hingegen verzeichnet man 300 Tests pro Tag. Mehr Tests aber heißt: Mehr positive Ergebnisse und damit mehr Fälle, die ansonsten im Falle eines leichten Verlaufs unsichtbar geblieben wären. Ist in der Region Rosenheim die Test-Akzeptanz höher? Gut möglich, meint eine Sprecherin des Innenministeriums, zumal Rosenheim als Hotspot lange in den Schlagzeilen gewesen sei.

Zahl der Quarantänefälle in der Region? Unbekannt

Wie viele Fälle darüber hinaus unentdeckt bleiben, weil zum Beispiel Reisende aus Risikogebieten sich nicht an die Quarantänepflicht halten und auch nicht testen lassen, ist unbekannt. Auch die Zahl der Quarantäne-Fälle insgesamt in der Region ist nicht bekannt. Das Landratsamt führt seit der Umstellung auf ein digitales Verfahren keine Gesamtstatistiken mehr.

Die Infizierten und ihre engen Kontaktpersonen seien im Gesundheitsamt Ermittlern fest zugeordnet, sagt Ina Krug, Sprecherin des Landratsamts. Somit habe jeder Mensch seinen seinen festen Ansprechpartner und verbindliche Ansage. So werde auch die Quarantäne überwacht. Bei jedem Ermittler sei also bekannt, wer sich gerade in Quarantäne befinde. Die Gesamtzahl aber lasse sich nur mit großem Aufwand statistisch auswerten.

Rosenheim überwacht Infektionsketten mit 20 zusätzlichen Leuten

Um Infektionswege und Quarantäne überwachen zu können, hat das Gesundheit jedenfalls personell aufgerüstet. 20 Stellen hat die Behörde in den vergangenen Wochen zur Kontaktpersonennachverfolgung erhalten. „Die Stellen sind weitgehend besetzt“, sagt Krug. Zur Aufstockung des Stammpersonals wurden von der Regierung 15 Stellen zugewiesen, sie sollen in den nächsten Wochen besetzt werden.

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