Söder: Kontrollverlust in einigen Regionen droht

Corona-Lagebericht für die Region Rosenheim: Stark steigende Fallzahlen, Besorgnis wächst

In den meisten Gemeinden im Landkreis Rosenheim hat es in den vergangenen sieben Tagen neue Coronavirus-Infektionen gegeben.
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In den meisten Gemeinden im Landkreis Rosenheim hat es in den vergangenen sieben Tagen neue Coronavirus-Infektionen gegeben.
  • Rosi Gantner
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Die Region Rosenheim steckt mitten in einer zweiten Corona-Welle. 196 neue Fälle meldet das Gesundheitsamt diese Woche. Die 7-Tage-Inzidenzen haben mit 57 (Kreis) und 74 (Stadt) die Warnmarke (50) deutlich gerissen. Bayerns Ministerpräsident Söder warnt vor Kontrollverlust und zweitem Lockdown.

Rosenheim – Für die Region Rosenheim folgen nun verschärfte Corona-Regelungen, um den weiteren Anstieg auszubremsen. Zudem wächst die Besorgnis.

Gesundheitsamt in Sorge wegen Zahl der Corona-Infektionen

„Der plötzliche bundesweite Anstieg der Fallzahlen bereitet dem Gesundheitsamt erhebliche Sorgen. Parallel dazu sehen wir einen zunehmenden Anstieg auch im Stadt- und Landkreisgebiet. Die Lage ist sehr ernst, wir befinden uns aktuell mitten in der zweiten Welle“, mahnt Behördenleiter Dr. Wolfgang Hierl. „Ziel muss sein, eine Überlastung der Krankenhäuser in unserer Region sicher zu verhindern.“

Wobei sich die Romed-Kliniken aktuell gut gerüstet sehen, wie eine Sprecherin auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen betonte. Stand gestern wurden zehn Covid-19-Patienten stationär behandelt, keiner davon auf Intensivstation.

Wichtig im Kampf gegen das Coronavirus: Abstand, Maske und Lüften

Hierl appelliert zudem weiter an die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske). „Auch der Aufenthalt in geschlossenen Räumen über 30 Minuten kann bei Aerosolbildung zu Übertragungen führen.“ Sein Credo: regelmäßiges Lüften.

Aktuelles zur Corona-Lage im Newsticker

Allein Donnerstag wurden 57 neue Fälle gemeldet – diese Fallzahl habe man zuletzt am 16. April erreicht, geht Dr. Hierl auf die Brisanz der Lage ein. Bisher sind insgesamt 3660 Fälle von Covid 19 in Stadt und Landkreis aufgetreten (Landkreis: 2845, Stadt: 815).

Das sind die regionalen Corona-Hotspots

Die neuen Corona-Fälle ziehen sich inzwischen wie ein Flickenteppich über die Region. Hotspot ist einmal mehr die Stadt Rosenheim mit 48 Neuinfektionen, gefolgt von der Gemeinde Eggstätt mit 39 Fällen. Ausschlaggebend hier: der Ausbruch im Pflegeheim „Marinushof“ mit allein 27 betroffenen Bewohnern und mehreren Mitarbeitern. Glücksfall: Laut Gesundheitsamt sind alle Verläufe asympthomatisch.

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Stark betroffen ist zudem das Mangfalltal: mit elf neuen Fällen in Bad Aibling, 14 in Kolbermoor und je acht in Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham. Ebenfalls acht neue Fälle gibt es laut Gesundheitsamt in Kiefersfelden, je sechs in Oberaudorf und Bad Feilnbach, fünf in Rimsting, sieben in Prien.

Seit Juli kein neuer Covid-19-Todesfall

Vier Fälle zählen: Stephanskirchen und Edling. Drei Fälle: Bernau und Rohrdorf. Zwei Fälle: Aschau, Brannenburg, Großkarolinenfeld, Tuntenhausen, Bad Endorf und Eiselfing. Einzelfälle gibt es in Raubling, Frasdorf, Riedering, Vogtareuth, Halfing, Griesstätt, Pfaffing und Wasserburg.

Mittlerweile wurde bei mindestens 3062 Personen eine Genesung dokumentiert. Weitere gute Nachricht: Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit Covid 19 ist mit 222 Personen seit Juli unverändert.

Söder warnt vor „Kontrollverlust in einigen Regionen in Deutschland“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnt mit Blick auf die Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten vor einem „Kontrollverlust in einigen Regionen in Deutschland“. Die Lage sei hochgefährlich, sagte der CSU-Politiker der Passauer Neuen Presse. „Wenn keine Nachverfolgung der Infektionen mehr möglich ist, so wie in den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Tschechien, muss man die Kontakte generell begrenzen. Das geht nur mit einem Lockdown oder ähnlichen strikten Maßnahmen.“

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In Bayern bildet vor allem der Südosten eine größere Region mit besonders hohen Fallzahlen. Sie liegt nicht nur Stadt und Landkreis über der höchsten Corona-Warnstufe von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tage (7-Tages-Inzidenz). Auch die Landkreise Ebersberg, Mühldorf, Rottal-Inn und Bertechsgadener Land sowie die Stadt München sind auf der Corona-Ampel mittlerweile rot gekennzeichnet (Stand 17. Oktober).

Er teile die Befürchtungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass die am Mittwoch von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen nicht weit genug gingen. „Wir dürfen Corona nicht schön- oder kleinreden. Wir müssen grundlegende Entscheidungen treffen. Wenn wir das nicht tun und nur halbherzig vorgehen, steuern wir unwillkürlich auf einen zweiten Lockdown zu. Wer keinen Lockdown will, der muss jetzt entschlossen handeln“, sagte Söder.

(Mit Material von dpa)

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