Lebensrettung in Corona-Zeiten: So arbeiten BRK und Malteser im Kreis Rosenheim in der Krise

Mit dem obligatorischen Mundschutz: Die Rettungssanitäter Martin Sauro und Sophie Mayer reinigen einen BRK-Rettungswagen nach einer Einsatzfahrt. Reisner
  • vonAlexandra Schöne
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Ein Unfall auf der Autobahn. In der Fußgängerzone wird jemand ohnmächtig. In solchen Fällen wird der Rettungsdienst gerufen. Dann rücken im Kreis Rosenheim zum Beispiel Einsatzwagen des Bayerischen Roten Kreuzes oder der Malteser aus. Wie aber funktioniert die Arbeit in Zeiten von Corona?

Rosenheim – In der Corona-Krise ist Schutzkleidung – Masken, Anzüge, Handschuhe – im Bereich des Rettungsdienstes wichtiger denn je. Dementsprechend begehrt ist die Ausrüstung zurzeit. Auch deshalb erweise sich ihre Beschaffung schwieriger als gewöhnlich, sagt Thomas Neugebauer. Er ist der stellvertretende Kreisgeschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Rosenheim und Bereichsleiter des Rettungsdienstes. Die Versorgung läuft laut Neugebauer über den Krisenstab der BRK-Landesgeschäftsstelle.

Krisenstab beschafft die Schutzkleidung

Der eigens eingerichtete 17-köpfige Rosenheimer BRK-Krisenstab, der rund um die Uhr erreichbar ist, meldet regelmäßig den Bedarf an die Zentrale in München. „Wir sind im Rosenheimer Rettungsdienst soweit gut versorgt, dass Patient und Mitarbeiter ausreichend geschützt sind“, sagt er. Frühzeitig hätte man das Lager aufgestockt.

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Wer die Extrakosten trägt, die in der Corona-Krise entstehen, sei aber noch ungeklärt. Im März, als alles begonnen hat, sah sich das BRK mit Mehrkosten von 200 Prozent konfrontiert. „Wir wissen bis dato noch nicht, wie die Kostenerstattung läuft“, sagt Neugebauer.

Keine Engpässe bei Schutzausrüstung

Auch bei den Rosenheimer Maltesern sind bei der Schutzausrüstung keine Engpässe in Sicht. Genau wie beim BRK gebe es einen Krisenstab, der sich um die Versorgung kümmert, sagt Rettungsdienstleiter Ernst Schütz. Und Christian Scheufen, Kreisgeschäftsführer derMalteser im Bereich Rosenheim-Miesbach, bestätigt: „Wir haben eine extrem gut ausgebaute Logistikkette bei der Schutzmaterialbeschaffung“.

Wie wird nun aber zurzeit mit Notrufen umgegangen? Das BRK hat ein Abfragesystem für die Rettungsstelle entwickelt. Während eines Notrufs würden bestimmte Corona-Parameter durch einen Fragenkatalog abgefragt, erklärt Neugebauer. „Es findet quasi eine ‚Grobsichtung‘ statt, nach der man sagen kann: ‚Corona positiv‘ oder ‚Corona negativ‘. Diese Info bekommen die Einsatzkräfte, schon bevor sie losfahren.“ Falls das Ergebnis „Corona positiv“ lautet, fährt die Mannschaft in entsprechender Schutzkleidung los. Aber auch im Falle einer „Corona negativ“-Situation bleibt man vorsichtig. Vor Ort geht ein einzelner Sanitäter voraus, um die Lage zu klären. Erst dann folgt der Rest.

Bei einer Reanimation muss es schnell gehen

Im Falle einer Reanimation muss es jedoch schnell gehen. „Da muss man manchmal improvisieren“, meint Neugebauer. „Oft ist es dann nicht mehr möglich, zusätzlich den Ganzkörper-Overall anzuziehen.“ Denn die allgemeine Regel beim Herz-Kreislauf-Stillstand besagt: „Jede Minute kostet zehn Prozent an Überlebenschance ohne Folgeschäden.“

Zum Thema Mindestabstand sagt Schütz von den Maltesern: „Diese Vorgabe kann bei der Arbeit im Rettungsdienst nicht eingehalten werden.“ Aber genau deswegen trügen die Mitarbeiter auch entsprechende Schutzkleidung.

Kontaktflächen werden gereinigt

Nach einem Einsatz werden im Rettungsfahrzeug alle Kontaktflächen gereinigt und desinfiziert. Hier läuft laut Neugebauer aber nichts anders als bei einer normalen Influenza. „Es müssen keine zusätzlichen Maßnahmen wegen Corona ergriffen werden.“

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Bei den Maltesern gab es bisher keine Mitarbeiter, die an Covid-19 erkrankt sind. Beim BRK haben sich Neugebauer zufolge Leute im Dienst angesteckt. Die genaue Zahl wolle er nicht nennen. Aber: „Wenn eine normale Grippewelle übers Land zieht, haben wir mehr Erkrankte“, ordnet er die Anzahl ein. Durch den Schichtdienst, den es sowohl beim BRK, als auch bei den Maltesern generell gibt, soll das Ansteckungsrisiko vermindert werden. „Wir versuchen, auch beim Schichtwechsel Abstand zu wahren und lassen die gemeinsame Kaffeepause aus“, sagt Neugebauer.

Ob Mitarbeiter den Dienst aus Angst vor Ansteckung verweigern? Nein, sagt er, das Gegenteil sei der Fall. „Bei uns verzichten die Leute auf ihren Urlaub und bieten an, Schichten zu übernehmen oder für Kollegen einzuspringen. Da kommt die große Rot-Kreuz-Familie zum Vorschein“, ist Neugebauer stolz.

Alle Angestellten im Dienst

Bei den Maltesern sei es sogar zwingend notwendig, dass alle Angestellten arbeiten, sagt Rettungsdienstleiter Schütz. „Wir haben nicht so viele Mitarbeiter.“ Genau deshalb sei es wichtig, die Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Die Corona-Krise wirkt sich auch auf die Einsatzarten aus. Schütz habe in der jüngsten Zeit beobachtet, dass Einsätze wegen schwerer Erkrankungen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen zurückgegangen sind. Über die Gründe könne er nur spekulieren. „Ob die Leute sich nicht mehr trauen, Bescheid zu geben und deswegen nicht anrufen, weiß ich nicht.“

Große Einsatztruppe für den Kreis Rosenheim

Wenn ein Notruf eingeht, sind die Rettungshelfer des BRK und der Malteser schnell zur Stelle. Die Mannschaft des BRK zählt 250 Mitarbeiter, Haupt- sowie Ehrenamtliche. In 28 Fahrzeugen rücken sie jedes Jahr zu rund 42 000 Einsätzen in der Stadt Rosenheim und im gesamten Landkreis aus. Bei den Maltesern in Rosenheim gibt es rund die 20 Mitarbeiter im Rettungsdienst, die alle hauptamtlich arbeiten. Sie fahren in vier Einsatzfahrzeugen, zwei Rettungswägen und zwei Krankentransportwägen, zu ihren Einsätzen.

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