Kampenwand-Besucher müssen auf der Sonnenalm 1 Euro Corona-Aufschlag zahlen

Die Sonnenalm auf der Kampenwand hat schon sonnigere Zeiten erlebt. Die Alm gehört zur Kampenwandseilbahn GmbH und hat aufgrund der Corona-Pandemie, höhere Kosten für Hygienemaßnahmen zu tragen. reh
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Die Sonnenalm auf der Kampenwand hat schon sonnigere Zeiten erlebt. Die Alm gehört zur Kampenwandseilbahn GmbH und hat aufgrund der Corona-Pandemie, höhere Kosten für Hygienemaßnahmen zu tragen.
  • vonHeinrich Rehberg
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  • Tina Blum
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„Liebe Gäste, es wird ein ‚Corona-Aufschlag‘ von einem Euro pro Person erhoben! Wir bitten um Verständnis.“ Mit dieser Botschaft auf DIN-A4-Blättern weist die Sonnenalm auf der Kampenwand darauf hin, dass Gäste im Lokal zusätzlich zur Kasse gebeten werden

Aschau – „Wir finden es ehrlicher, wenn wir einen Hygieneaufschlag einführen, den wir nach Corona ohne großen Aufwand wieder beenden können, als wenn wir unsere Preise auf der Speisekarte nach oben korrigieren würden“, darüber sind sich die Sonnenalm-Bedienung Daniela Reindl und ihr Chef Eric Zbil einig.

Kostenanstieg durch Corona-Vorschriften

„Wir haben die gleichen Auflagen, wie die Wirtschaften im Tal und haben uns daher entschlossen, unser Hygienekonzept für den Gast so durchsichtig, wie möglich zu machen“, sagt Zbil. Die Preise für Speisen und Getränke seien im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. Die Kosten für den Betreiber durch die neuen Corona-Vorschriften aber enorm gestiegen.

Zusätzlich zum vorhandenen Personal habe die Sonnenalm laut Zbil mehrere Mitarbeiter eingestellt, um die geforderten Hygienemaßnahmen auch umsetzen zu können. Vor dem Eingang steht jetzt ein Brunnen zum Händewaschen und Desinfizieren für die Gäste. Weiter geht’s vom Handwaschbrunnen zur Rezeption am Eingang: „Jeder Gast muss schriftlich erfasst werden, alle werden von der Tür bis zum Tisch gebracht“, sagt Zbil. So wisse man stets, wie viele Gäste im Lokal sind und ob noch Plätze frei sind.

Ein Euro mehr pro Person wird auf der Sonnenalm auf der Kampenwand fällig.

Mehr Aufwand und Kosten durch Hygieneregeln, weniger Tische

Die Speiskarte gibt es am Tisch elektronisch aufs Handy oder handgeschrieben auf der Tafel der Wirtsstube. Alle Servicemitarbeiter tragen Gesichtsmasken. Die Polster, der Tischschmuck, Salz und Pfeffer und Bierfilzl sind nicht mehr da. Sobald die Gäste das Lokal wieder verlassen, werden Tisch, Sitzbänke und Stühle sofort desinfiziert. Zwischen den belegten Tischen wird jeweils ein Tisch freigehalten, das Platzangebot hat sich mehr als halbiert.

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Zu einer Clique einfach dazusetzen, wie es auf der Alm Brauch ist, geht nicht. Im Wirtsgarten ist ebenfalls nur ein Bruchteil der Tische nutzbar, draußen gelten die gleichen Regeln wie drinnen. „Die Hygiene geht noch weiter: Alle Toiletten werden bedeutend öfter gereinigt und desinfiziert als bisher, ständig muss irgendwo im Haus geputzt werden“, so der Betreiber.

Aufschlag entfällt, sobald die Corona-Maßnahmen zurückgefahren werden

Daniela Reindl und ihre Kollegen erklären allen Gästen den Aufpreis von einem Euro. „Zusätzliche Kräfte und zusätzliches Verbrauchsmaterial für die Hygiene kosten natürlich etwas. Wir wollten die Kosten transparent halten und wenn die Corona-Maßnahmen zurückgefahren werden, entfällt auch sofort der Aufschlag“, sagt Eric Zbil.

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Zwei Gleitschirmpiloten, die nicht mit so einem trüben Wetter gerechnet hatten und auf der Sonnenalm einkehrten, kennen die Preise vom vergangenen Jahr und finden es gut, dass der Gaststättenbetreiber die zusätzlichen Unkosten so reinholen will. „Der eine Euro tut niemand weh“, sagen sie. Daneben sitzen ein älteres und ein jüngeres Ehepaar. Auch sie zeigen Verständnis für die Maßnahme: „Ich bin Briefmarkensammler und da gab es lange Zeit die blaue Zweipfennigmarke Notopfer Berlin“, erzählt der ältere Mann, „diese zwei Pfennig auf jedem Brief haben niemand wehgetan und sich in jedem Jahr zu Riesenbeträgen summiert“, sagt er.

Viele Gäste zeigen Verständnis

Man solle nur aufpassen, dass die Corona-Abgabe sich nicht verselbstständige und auf ewig bleibe. Eine Frau und ein Mann aus Stade halten die zusätzlich Abgabe für gerechtfertigt: „Die Preise hier oben auf dem Berg sind im Vergleich mit unseren Preisen im Norden ganz human. Wenn der Wirt eine besondere Leistung erbringt, dann muss die auch vergütet werden“, sagen sie. In Italien rege sich niemand auf, wenn für das Brot auf dem Tisch und das Gedeck ein Zwangsaufschlag verlangt wird.

Laut Auskunft der Tourist Info in Aschau sei die Sonnenalm der bislang einzige bekannte Betrieb im Aschauer Gemeindebetrieb, der einen solchen Aufpreis verlangt. Auch eine schriftliche Beschwerde per E-Mail sei diesbezüglich eingegangen. Da es sich um einen Privatbetrieb handelt – die Sonnenalm gehört zur Kampenwandseilbahn GmbH –, kann der Betreiber selbst über einen solchen Schritt bestimmen.

Kampenwandseilbahn: Positive Bilanz

Seit einem Monat läuft der Betrieb an der Kampenwandseilbahn in Aschau wieder. Am 30. Mai konnte Betreiber Eric Zbil seine Gondeln wieder auf den Weg zur Bergstation und zurück ins Tal schicken – mit Passagieren. Die erste Bilanz seit der Wiedereröffnung fällt positiv aus. „Das Wetter war zwar durchwachsen, aber an schönen Tagen war die Schlange schon ganz schön lang“, sagt Tobias Anderl vom Marketing der Kampenwandbahn in Aschau.

Konkrete Besucherzahlen lägen laut Anderl derzeit noch nicht vor. „Aber man merkt schon, dass Gruppen wie Schulklassen oder Ausflugsbusse fehlen“, sagt er. Das Hygienekonzept der Seilbahn funktioniere gut. Bislang sei es so gewesen, dass nur maximal zwei Haushalte pro Vierer-Kabine befördert werden konnten. Aufgrund der Lockerungen könnten nun auch Personen aus mehreren Haushalten mitfahren. Die Maskenpflicht besteht jedoch weiterhin.

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