Erst Gefängnis, dann Therapie: Kolbermoorerin bestellte viel und bezahlte nichts

Unzählige Pakete hat sich die 41-jährige Kolbermoorerin liefern lassen, dabei die Waren aber meistens nicht bezahlt.
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Unzählige Pakete hat sich die 41-jährige Kolbermoorerin liefern lassen, dabei die Waren aber meistens nicht bezahlt.
  • vonTheo Auer
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Sie bestellte immer wieder online Waren, bezahlte die aber meistens nicht. Dafür muss eine mehrfach vorbestrafte Kolbermoorerin (41) jetzt ins Gefängnis. Sie machte Kaufsucht geltend. Daran aber wollte das Gericht wegen einiger rätselhafter Irrläufer nicht ganz glauben.

Rosenheim/Kolbermoor – Vor dem Schöffengericht Rosenheim unter dem Vorsitz von Richter Christian Merkel wurde gegen eine Gewohnheitsbetrügerin verhandelt. Ihre Internetbestellungen wollte die gelernte Metzgerei-Fachverkäuferin aus Kolbermoor mit Kaufsucht erklären. Es gebe ihr einen Kick, wenn sie die im Internet bestellten Waren bekomme.

Diese Version widerlegte sich jedoch schnell, weil sie in den Jahren 2018 und 2019 die Hälfte ihrer Bestellungen, 20 an der Zahl, an einen Bekannten adressierte, der diese postwendend zurück schickte. So musste der „Kick“ zwangsläufig ausbleiben.

Der Bekannte wusste nichts von den Bestellungen der Angeklagten und war lediglich verwundert über die „Irrläufer“. Als sich schließlich herausstellte, dass die 41-Jährige diese Zusendungen veranlasst hatte, verbat er sich das. Nachdem dies aber nicht aufhörte, zeigte er die Frau schließlich an.

An ihre eigene Adresse mit verschiedensten Alias-Namen hatte sie weitere 20 Bestellungen versenden lassen – ohne auch nur eine zu bezahlen.

Drogentherapie als Auflage

Am 30. Juli 2018 wurde die Angeklagte vom Amtsgericht Traunstein zu zwei Mal über ein Jahr Haft verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Dazu bekam sie die Bewährungsauflage, dass sie eine Drogentherapie antreten müsse. Immerhin war sie seit ihrem 14. Lebensjahr Heroinabhängig. Ihre Vergehen waren damals exakt die gleichen Taten wie sie hier angeklagt waren. Auch damals hatte sie Waren im Wert von über 19.000 Euro bestellt, ohne je zu bezahlen.

„Atemberaubende Rückfallgeschwindigkeit“

War aber den Staatsanwalt Felix Ziemer nahezu fassungslos machte, war die – wie er sagte – atemberaubende Rückfallgeschwindigkeit. Denn bereits am 3. August, also nur vier Tage nach der Verurteilung, tätigte sie bereits die nächste Bestellung, wiederum ohne die Absicht, zu bezahlen. In der Sache war die Angeklagte umfassend geständig.

Die 41-jährige Kolbermoorerin war bereits wegen Diebstahl und Drogendelikten mehrfach vorbestraft und des Öfteren in Haft gewesen. Dazu hatte sie sich – entgegen den Bewährungsauflagen – zu keiner Zeit um irgendeine Drogentherapie bemüht. So war die Bewährung aus dem Traunsteiner Urteil widerrufen, weshalb die Angeklagte aus der Justizvollzugsanstalt Aichach vorgeführt worden war.

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Ihr Verteidiger, Rechtsanwalt Hans Sachse, erklärte, dass seine Mandantin erkannt habe, von sich aus nicht zu einer Therapie fähig zu sein. Sie wolle nun eine geschlossene Therapie im Maßregelvollzug absolvieren.

Der Gutachter Fredi Watzlawik vom Landgericht Traunstein wollte ihr eine eingeschränkte Schuldunfähigkeit wegen ihrer Drogenproblematik nicht absprechen. Allerdings hatte er Zweifel, ob die Sinneswandlung, eine geschlossene Therapie zu akzeptieren, von Dauer sein würde. Insgesamt sprach er sich aber dafür aus, weil ansonsten alle Voraussetzungen dazu gegeben seien.

„Unverschämt und gierig“

Der Staatsanwalt erklärte in seinem Schlussvortrag, die Angeklagte sei wohl kaum schuldunfähig. Er bezeichnete sie stattdessen als unverschämt und gierig, wollte aber dem Gutachter in der Summe nicht widersprechen. Jedoch sei die Angerklagte gewerbsmäßig mit einer „enormen kriminellen Energie“ vorgegangen. Sie sei deshalb mit vier Jahren Haft zu bestrafen. Eine geschlossene Therapie wollte er ihr auch nicht zubilligen. Denn hier würden den Steuerzahlern enorme Kosten aufgebürdet, wobei der Erfolg mehr als fraglich sei.

„Hoher Wert des Geständnisses“

Der Verteidiger hob den hohen Wert des Geständnisses hervor, das dem Gericht einen großen Aufwand erspart habe. Des Weiteren bezog er sich auf die Beurteilung des Gutachters und beantragte, neben einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten seiner Mandantin den Maßregelvollzug zuzugestehen.

Das Gericht befand eine Haftstrafe von drei Jahren für angemessen. Ob eine geschlossene Therapie im Fall der Angeklagten zielführend sei, darüber, so Richter Merkel, habe man ausführlich diskutiert. Man wolle aber der Angeklagten letztlich eine solche letzte Chance nicht verweigern. Zusammen mit ihren Vorverurteilungen wird sie noch geraume Zeit im Gefängnis verbringen müssen, bevor sie eine Therapie wird antreten können.

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