Erlenau: Warum die Schließung des Edeka-Marktes für Senioren eine Katastrophe ist

Sorgen sich um die Zukunft: Monika Pitterle (links) und Marianne Venn leben seit 18 Jahren in der Erlenau. Ein Leben ohne den Edeka Markt kennen sie nicht – und wollen es auch nicht kennen.
+
Sorgen sich um die Zukunft: Monika Pitterle (links) und Marianne Venn leben seit 18 Jahren in der Erlenau. Ein Leben ohne den Edeka Markt kennen sie nicht – und wollen es auch nicht kennen.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
    schließen

Die Tage für den Edeka-Markt in der Austraße 46 in Rosenheim sind gezählt. Am Samstag, 19. September, schließt die Filiale, nach mehr als 20 Jahren, ihre Türen. Die Kunden sind schon jetzt verärgert. Der Grund: Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist für viele Senioren zu Fuß kaum erreichbar.

RosenheimVon der Nachricht, dass der Edeka-Markt in der Austraße schließt, hatten Marianne Venn (90) und Monika Pitterle (72) eher zufällig erfahren. An ihrer Bestürzung änderte das nichts. „Für mich ist das eine Katastrophe“, sagt Marianna Venn. Die 90-Jährige wohnt in der Mayerbachstraße, kann den kurzen Weg zum Edeka-Markt problemlos zu Fuß gehen. Viel weiter schafft sie es nicht. Das sagt sie selbst. Auch Ausflüge mit dem Rad kommen für sie schon lange nicht mehr in Frage. Ähnlich geht es ihrer Nachbarin und Freundin Monika Pittlerle.

Seit 18 Jahren in der Erlenau zu Hause

Seit 18 Jahren wohnt Pittlerle in der Erlenau. Ein Leben ohne den Edeka-Markt kennt sie nicht – und will sie auch nicht kennen. „Die Situation ist wahnsinnig traurig. Mir blutet das Herz.“ Sie hat kein Auto, steigt nur ungern aufs Fahrrad. Auch deshalb sei der Edeka-Markt ideal.

Lesen Sie auch: Real kündigt Schließung von acht Filialen an

„In fünf Minuten bin ich da.“ Sie mag das gut sortierte Angebot, die freundliche Atmosphäre und die hilfsbereiten Mitarbeiter. Es gebe genügend Parkplätze, auf der gegenüberliegenden Seite des Marktes befinde sich eine Bushaltestelle. Außerdem gibt es einen Lieferservice. Alles Gründe warum eine Schließung wenig Sinn mache. Jedenfalls wenn es nach Monika Pitterle und Marianne Venn geht.

Pressestelle bestätigt Schließung

Doch die Realität sieht anders aus. Dass der Markt Mitte September zu macht, ist beschlossene Sache. Das bestätigte jetzt die Pressestelle der Edeka Südbayern Handels Stiftung. So habe sich der selbstständige Kaufmann Marco Maruhn aufgrund neuer Perspektiven dazu entschlossen, den Edeka-Markt nicht weiter zu betreiben. Gemeinsam mit seinen 20 Mitarbeiter übernimmt er laut Pressestelle den neuen Standort in Feldkirchen-Westerham. Die Eröffnung dort sei für Mitte Oktober geplant.

Einzige Einkaufsmöglichkeit in der Nähe fällt weg

Für Pitterle und Venn ist das kein Trost, denn der neue Markt ist fast 30 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt und damit zu Fuß nicht erreichbar. „Mit der Schließung fällt für uns die einzige Einkaufsmöglichkeit in der Nähe weg“, sagt Venn. Der nächste Supermarkt ist rund zwei Kilometer von der Mayerbachstraße entfernt und damit keine Alternative. Auch auf den Bus umzusteigen sei, in der momentanen Situation, keine Option. „Wir bleiben auf der Strecke“, sagt Pittlerle.

Viele Senioren haben sich bereits beschwert

Es ist eine Meinung, die viele ältere Bürger teilen,wie der Vorsitzende des Seniorenbeirates Josef Kugler bestätigt. „Ich wurde in den vergangenen Tagen mit Anrufen bombardiert“, sagt er.

Lesen Sie auch: Mehrwertsteuer runter, Umsätze rauf? Einzelhändler in Region Rosenheim bleiben skeptisch

Etliche Senioren hätten sich bei ihm über die Schließung beschwert, sich eine Lösung gewünscht. Doch damit kann Kugler nicht dienen: „Es ist zum Verrücktwerden. Ich weiß einfach nicht, wie ich helfen kann“, sagt er. Denn, dass in das Gebäude an der Austraße 46 ein neuer Lebensmittelmarkt einzieht, daran glaube er nicht.

Verhandlungen mit dem Eigentümer

Und auch von der Verkaufsleitung der Edeka Handelsgesellschaft Südbayern gibt es noch keine genauen Aussagen: „Wir stehen in Verhandlungen mit den Eigentümer. Was genau mit dem Gebäude passiert, steht noch nicht fest.“

Für Marianne Venn und Monika Pitterle heißt das vorerst Abwarten. Und darauf hoffen, dass der Eigentümer die Sorgen der Senioren hört – und vielleicht doch ein neuer Supermarkt in die Austraße 46 einzieht.

Kommentare