Auf Stelzen durch die Stadt: Dieser Mann steckt hinter dem Clown vom „Sommer in Rosenheim“

  • vonAlexandra Schöne
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Emmeran Heringer (41) aus Rosenheim ist professioneller Clown. Als Teil des Duos „RigoL & tOrF“ ist er beim „Sommer in Rosenheim“ unterwegs. Wir treffen ihn ohne Maskerade.

Rosenheim – Viele Menschen träumen als Kind davon, Polizist oder Sängerin zu werden. Emmeran Heringer aus Rosenheim wollte als Zwölfjähriger nur eins: später Clown sein. Zehn Jahre danach hatte er seinen Traum verwirklicht. Seit 2001 ist der 41-Jährige professioneller Clown. Mit verschiedenen Produktionen war er schon in ganz Europa unterwegs. Sein Ziel: Menschen zum Lachen bringen, der Spiegel der Umgebung sein. Seine Mittel: Hochstelzen, Ausdruckskraft und vor allem: ganz viel Liebe zu seinem Beruf.

Ministrant im Kapuzinerkloster

Schon als Kind kommt Heringer oft mit Clowns und Zirkusbetrieben in Berührung. Er wächst neben der Loretowiese auf, auf der unter anderem regelmäßig der „Zirkus Krone“ gastiert. Er war Ministrant im Rosenheimer Kapuzinerkloster. Dort lernte er einen Pfarrer kennen, der für reisende Zirkusgemeinschaften Seelsorger war. Der nimmt ihn mit, hinter die Kulissen von vielen Zirkus-Angeboten. „Der Alltag der Leute dort hat mich damals unheimlich fasziniert“, sagt Heringer heute.

Durch Zufall stieß er in einer Zirkuszeitung auf die Annonce einer Clownschule. Nach der Ausbildung zum Landschaftsgärtner zog es ihn mit 19 an die Deutsche Schule für Clowns in Mainz. Dort erhielt er eine intensive Schauspielausbildung. Über Jahre hat er sich mit verschiedenen Seminaren im In- und Ausland fortgebildet.

Mit dem Meterstab sorgt Emmeran Heringer beim „Sommer in Rosenheim“ für den nötigen Sicherheitsabstand.

Heringer, ein schlanker Mann mit etwas zerzausten Haaren, ist Clown geworden, weil er Menschen zum Lachen bringen will. Weil er die heutige Zeit entschleunigen möchte, in der immer viel auf die Menschen einprasselt. Er will, dass die Leute wenigstens für einen kurzen Moment im Hier und jetzt leben.

Clown sein ist seine Berufung

Wenn er über seine Arbeit spricht, in einem ruhigen und gelassenen Ton, spürt man seine Leidenschaft. Clown sein, das sei seine Berufung. „Als Clown ist man Spiegel. Man erzählt Geschichten, bei denen es um den Wiedererkennungswert geht. Die Leute sollen später sagen: Ja, genau das bin ich auch“, sagt Heringer.

Inspiration für seine Arbeit zieht er aus seinem Umfeld, seinen Mitmenschen. Manchmal setzt er sich einfach in einen Park und schaut sich um. Die Langeweile, die er verspürt, ist für ihn etwas Kostbares und hilft beim Nachdenken.

Denn zuhause ist ihm vermutlich nicht oft langweilig. Heringer ist verheiratet, hat eine siebenjährige Tochter. Die bekommt natürlich auch mit, dass ihr Papa einen nicht ganz gewöhnlichen Beruf hat. „Meistens findet sie die Sachen, die ich mache, cool. Aber ich freue mich schon darauf, wenn sie älter ist und irgendwann sagt: ‚Papa, du bist so peinlich.‘“ Bis dahin dauert es vermutlich aber noch ein bisschen.

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Während seine Tochter Heringers Arbeit cool findet, gibt es aber auch nicht Menschen, die das anders sehen. Manchmal fällt der ein oder andere negative Kommentare. Heringer sieht dem gelassen entgegen. „Es muss nicht jeder gut finden, was ich tue“, sagt er. Die Resonanz auf seine beiden Auftritte beim „Sommer in Rosenheim“ sei jedoch beispielsweise sehr positiv gewesen. „Die Leute freuen sich, dass sich wieder etwas rührt.“

Ohne Schminke und ohne Kostüm: Emmeran Heringer aus Rosenheim.

Der Clown ist nicht Emmeran Heringer

Als Clown mag er laut und extrovertiert sein. Privat ist Heringer anders. Er spricht ruhig, teilweise denkt er längere Zeit über eine Antwort nach. Über seine Arbeit als Clown äußert er sich sehr reflektiert. Er sagt, sein Clown habe sehr viel mit ihm selbst zu tun, mit seiner eigenen Persönlichkeit. Aber: „Es ist trotzdem nicht Emmeran Heringer.“

Er ist mittlerweile seit 19 Jahren Clown. Vom „besten Alter“ für diesen Beruf ist der 41-Jährige noch ein paar Jahre entfernt. Denn das liegt ihm zufolge zwischen 50 und 70. „Clowns werden immer besser, je älter sie werden. Man hat mittlerweile etwas erlebt, kann mehr erzählen und darstellen.“

Clown sei auch der einzige Artistenberuf, den man bis ins hohe Alter ausüben kann. Die körperlichen Anforderungen sind hier nicht so hoch wie beispielsweise bei Trapezleuten. Trotzdem muss man sich fit halten. Wenn Heringer auf Hochstelzen durch die Rosenheimer Innenstadt läuft, sei das wie ein sehr anstrengender Spaziergang.

Es fliegen auch mal die Fetzen

Meistens ist er bei seinem Spiel nicht allein unterwegs. Oft an seiner Seite: Stefan Pillokat. Mit ihm bildet er seit 2002 das Clown-Duo „RigoL & tOrF“. Kennengelernt haben sie sich damals in der Schule für Clowns in Mainz. Heringer spielt lieber im Duo. Alleine sei man als Clown etwas einsam, sagt er. Pillokat und er seien grundsätzlich sehr verschieden. Deshalb fliegen ab und zu auch mal die Fetzen, gibt Heringer zu. „Aber wir bereichern uns auch gegenseitig. Wir funktionieren auf der Bühne gut zusammen, sind ein eingespieltes Team.“

Am heutigen Samstag bringt das Duo „RigoL & tOrF“ in der Innenstadt wieder Menschen zum Lachen. Freude zu verbreiten ist Heringers Antrieb und Leidenschaft. Deshalb will er auch noch viele Jahre lang Clown bleiben. Denn er hat die Erfahrung gemacht: „Was du mit Liebe machst, wird geliebt.“

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