Modellprojekt der TH Rosenheim: Zuhause alt werden

Moderne Technik kann ältere Menschen in ihrem Zuhause unterstützen. Das Projekt „DeinHaus 4.0“ will dazu neue Möglichkeiten aufzeigen.

Den Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen – das ist der Traum vieler Menschen. Dank moderner Technik kann er in Erfüllung gehen. Das regionale Projekt „DeinHaus 4.0“ will mit einem praxisbezogenen Ansatz neue Möglichkeiten aufzeigen.

Die TH Rosenheim arbeitet bei dem Modellprojekt mit dem Landkreis Berchtesgadener Land und derGesundheitsregionplus Landkreis Rosenheimzusammen. Ein interdisziplinäres Team erforscht, wie innovative Technik älteren und pflegebedürftigen Menschen das Leben zuhause erleichtern bzw. überhaupt erst ermöglichen kann. „Es gibt auf dem Markt schon zahlreiche Angebote, doch sind diese oft sehr kostspielig und gehen nicht selten an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbei“, erläutert Prof. Dr. Sabine Ittlinger, Dekanin der Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften.

Lösungen, die auch gebraucht werden

„Wir wollen neuartige Lösungen finden, die wirklich gebraucht werden und mit überschaubarem finanziellen Aufwand verbunden sind“, so Ittlinger. Es nütze nichts, wenn moderne Technik im Labor wunderbar funktioniere, aber in der Praxis für die Menschen wenig Nutzen hätte und zudem sehr teuer sei. „Hinzu kommt, dass sich die Bedürfnisse im Laufe der Zeit oft verändern, wenn zum Beispiel mit dem Alter die Pflegebedürftigkeit zunimmt“, sagt die Projektleiterin. „Wir gehen nach dem Baukasten-Prinzip vor. Mit diesem modularen Ansatz kann man klein anfangen und später weitere Lösungen je nach Bedarf hinzufügen.“

Enger Austausch mit der Bevölkerung

Um zu verstehen, was Senioren und Pflegebedürftige wirklich brauchen, suchen die Forscher den steten Austausch mit der Bevölkerung. So gibt es zum Beispiel Workshops, bei denen die Bedürfnisse formuliert und Lösungsansätze erarbeitet werden, erklärt der stellvertretende Projektleiter Prof. Dr. Franz Benstetter.

3,7 Millionen Euro vom Gesundheitsministerium

Der Dozent für Sozialversicherungen und Gesundheitsökonomie ist dafür zuständig, die Projektschritte laufend zu evaluieren, also die prototypischen Umsetzungen bezüglich Akzeptanz, Zufriedenheit, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit zu überprüfen. „Wir haben vom Gesundheitsministerium rund 3,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommen. Die Erwartung ist, dass am Ende konkrete Lösungen herauskommen“, so Benstetter.

Früher wurde anders gebaut als heute

Wie diese baulich umgesetzt werden können, beschäftigt vor allem die Experten aus den Bereichen Innenarchitektur und Innenausbau. Einer von ihnen ist Prof. Dipl.-Ing. Andreas Betz, Dozent an der Fakultät für Holztechnik und Bau der TH Rosenheim. „Wir legen unser Augenmerk in erster Linie darauf, wie sich Komponenten mit möglichst wenig Aufwand in Bestandsbauten unterbringen lassen“, sagt Betz.

Im vergangenen Jahrhundert habe man nach ganz anderen Gesichtspunkten gebaut als heute, „da hatte kaum jemand den Aspekt altersgerechtes Wohnen im Blick.“ Als Beispiele nennt er die Breite von Türen oder die Größe und Lage von Badezimmern. Auch die Lichtverhältnisse spielten heutzutage eine wesentlich wichtigere Rolle als früher, so Betz.

Lösungen in zwei Musterwohnungen getestet

In zwei Wohnungen, in Amerang und in Freilassing, sollen die innovativen Lösungen auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft werden. Und zwar ganz konkret durch Menschen, die in diesen Wohnungen Zeit verbringen. „Wir erfahren auf diese Weise unmittelbar, ob unsere Ideen grundsätzlich funktionieren und was wir verbessern müssen“, erläutert Franz Benstetter. Anhand der Rückmeldungen könne das Team seine verschiedenen Lösungen Schritt für Schritt optimieren.

Projekt untersucht zwei Zielgruppen

Das Projekt „DeinHaus4.0“ hat dabei zwei Zielgruppen im Blick: Zum einen Seniorinnen und Senioren, zum anderen Patienten nach der Entlassung aus einem Rehabilitationszentrum oder einer Akutklinik. „In jedem Fall geht es darum aufzuzeigen, wie Wohnraum möglichst kostengünstig so gestaltet und ausgestattet werden kann, dass er neuen Anforderungen gerecht wird“, fasst Benstetter zusammen. Die beiden Musterwohnungen sollen bis zum Frühjahr 2021 zugänglich sein.

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