Bohren für das Garser Gymnasium: Darum fällt der Neubau so aus dem Rahmen

Die Baustellenkamera zeigt eindrucksvoll, welch gewaltige Ausmaße die Grundung des Neubaus für das Garser Gymnasium annimmt.
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Die Baustellenkamera zeigt eindrucksvoll, welch gewaltige Ausmaße die Grundung des Neubaus für das Garser Gymnasium annimmt.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Nein, am Gymnasium Gars wird keine U-Bahn gebaut. Es sieht zwar so aus angesichts der Wand aus 159 Bohrpfählen. Weitere 114 Gründungsbohrpfähle wurden bis zu 22 Meter in die Tiefe getrieben – weil der Neubau auf einer instabilen Eiszeit-Endmoräne steht. Das Vorhaben ist noch aus anderen Gründen eine Besonderheit.

Gars – Im Sommer 2023 soll der vierstöckige Neubau bezugsfertig sein. 35,4 Millionen Euro investiert der Landkreis Mühldorf. Auf einem traditionsreichen Bildungsplatz, dessen Geschichte 1582 mit der Lateinschule der Augustiner Chorherren begann, entsteht eine hochmoderne Schule. Sie setzt Akzente – auch durch eine Gestaltung, die sich nach Angaben von Schulleiter Gunter Fuchs von der starren „Zellenarchitektur“ (Flur mit links und rechts abzweigenden Klassenzimmern) abwendet und moderne Unterrichtsformen ermöglicht – in zwischen den Klassenzimmern liegenden offenen, flexibel nutzbaren Räumen für Gruppenarbeiten und Projektteams.

Ein Schulcampus entsteht

Der Neubau entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Werkstätten des benachbarten Klosters. Wenn das Gebäude fertiggestellt ist, wird auch noch der Altbau des Gymnasiums entfernt. Aus dem sogenannten Neubau, welcher als Flachdachbau von 2006 bis 2008 vom Landkreis generalsaniert wurde, dem Erweiterungsbau des Jahres 1988 und dem neuen Hauptgebäude entsteht ein neuer Schulcampus – in Nachbarschaft zum unter Denkmalschutz stehenden Kloster des Redemptoristenordens.

Von 1899 bis 1972 führte dieser die Schule als privates Gymnasium, dann übernahm der Landkreis Mühldorf. Im Schuljahr 2022/23 begeht die Bildungseinrichtung das 50-Jährige als staatliches Gymnasium. Ein Jubiläum, das Schulleiter Fuchs wohl noch mitfeiern wird, nicht aber den späteren Umzug.

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Im neuen Hauptgebäude werden im Untergeschoss, das zum Roten Platz hin ebenerdig ist, die Mensa mit Aufbereitungsküche, eine Aula mit großem Saal und Aufenthaltsbereich, in den weiteren Stockwerken Fachräume, die Büros der Schulleitung und -verwaltung, das Lehrerzimmer, das Sekretariat und – unter dem Dach – die offene Ganztagsschule mit Aufenthaltsräumen und das „Schülerlabor“ untergebracht werden, in das auch die am Gymnasium Gars stark vertretene Robotik einziehen soll, berichtet Fuchs. Zur Verfügung stehen insgesamt 4715 Quadratmeter zuweisungsfähige Nutzfläche.

Eine 3-D-Ansicht von Süd-Ost. Architekturbüro Leukert, Riedl & Schaub, Waldkraiburg.

Kein Umzug in Container notwendig

Während der Baustellenzeit müssen die Garser Gymnasiasten nicht in Containern unterrichtet werden. Im Altbau, der vor Beginn der Bauarbeiten durch Injektionen mit Spezialbeton in den Untergrund gesichert worden war, geht der Unterricht bis zur Fertigstellung weiter. Eine Sanierung des 130 Jahre alten Gebäudes mit seinen extrem hohen Räumen hätte sich wirtschaftlich nicht gerechnet, nicht zuletzt wegen der dabei kaum umzusetzenden Brandschutzauflagen. So beschloss der Kreistag 2013 mit großer Mehrheit nach umfangreichen Kosten-Nutzen-Analysen einen Ersatzbau, nachdem durch das Kloster Bereitschaft erklärt wurde, dafür die Flächen der eigenen Werkstätten zur Verfügung zu stellen. In den Folgejahren wurde der Abbruch der Werkstätten und das Neubauvorhaben durch einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan und einen Erbaurechtsvertrag mit dem Landkreis Mühldorf formal geregelt.

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Drei Mal mussten die Planer ihren Vorentwurf wegen neuer Fördervorgaben nachjustieren, was den Baustart für das Gymnasium, wo aktuell 721 Schüler unterrichtet werden, bis Ende 2019 verzögerte.

Ziel: hohe Qualität für den Unterricht

Der Architekt Dr. Stefan Hajek hat hier selber die Schulbank gedrückt. Gemeinsam mit Andreas Maier, der schon im Klosterbereich für Umbau und Renovierung zuständig war, hat er nach Überzeugung von Fuchs ein schlüssiges Konzept für die räumliche Zukunftssicherung des Gymnasiums erstellt. Drittes Mitglied der Architekten ARGE ist das Büro Leukert, Riedl & Schaub, die ab der Leistungsphase 5 (Werkplanung) verantwortlich zeichnen.

Ein Anliegen, das dem Schulleiter am Herzen lag: Räume, die eine hohe Unterrichtsqualität ermöglichen. Hervorragend sei in Zukunft die Akustik, top die Digitalisierung des Gebäudes, was in einem modernisierten Altbau nicht möglich gewesen wäre.

Ein Gymnasium als Passivhaus

Das Gymnasium Gars ist als Niedrigstenergiegebäude wie ein Passivhaus konzipiert. Das bedeutet, dass für die Beheizung nur ein sehr geringer Wärmebedarf nötig ist.

Bestandteil des Gebäudekonzepts sind neben zentralen und dezentralen Lüftungsanlagen und einer sehr gut isolierten Gebäudehülle eine moderne Mess- und Steuerungsregelung (MSR), teilt der Landkreis Mühldorf als Bauherr mit. Werden Fenster geöffnet, regeln sich in den entsprechenden Räumen die Heizkörper automatisch ab. Unnötige Heizverluste ins Freie würden so vermieden, ausreichende Frischluft in den Klassenzimmern werde aber durch die Lüftungsanlagen in jedem Klassenzimmer gewährleistet.

Anschluss an Hackschnitzelheizwerk

Das Hackschnitzelheizwerk versorgt bereits das Kloster Gars, dessen Gärtnerei, die Grund- und Mittelschule, das Gymnasium sowie einige Wohngebäude mit Wärme. An dieses bestehende Wärmenetz wird nun auch der Neubau des Gymnasiums angeschlossen.

„Im Altbau werden aktuell pro Jahr etwa 460 000 kWh verbraucht. Nach Fertigstellung des von der Nutzfläche wesentlich größeren Neubaus werden nur mehr rund 100.000 kWh verbraucht. Der Endenergiebedarf für die Heizung reduziert sich damit pro Quadratmeter und Jahr auf rund zwölf Prozent des ursprünglichen Verbrauches.

„Der verbleibende Wärmebedarf wird zudem durch erneuerbare Energien gedeckt, hierfür wurde bereits der Fernwärmeanschluss in die zukünftige Technikzentrale verlegt“, so Axel Kröner, zuständiger Projektleiter des Kommunalen Hochbaus.

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