Herr des Badetempels: Wasserburger Stadtwerkechef spricht über „Defizit-Betrieb Badria“

Als ruhig und besonnen gilt Marius Regler, Leiter der Stadtwerke und damit auch Chef des Badrias. Die Corona-Pandemie bescherte dem Bäderbetrieb auch besondere Herausforderungen.
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Als ruhig und besonnen gilt Marius Regler, Leiter der Stadtwerke und damit auch Chef des Badrias. Die Corona-Pandemie bescherte dem Bäderbetrieb auch besondere Herausforderungen.
  • Winfried Weithofer
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Marius Regler ist der Chef der Wasserburger Stadtwerke und damit auch Herr des Badetempels Badria. Im Porträt der Woche erzählt er, warum Corona seinen Terminplan bestimmt, wie er beim Segeln abschaltet und warum er so gerne in Wasserburg arbeitet.

Wasserburg– Seinen Sommerurlaub hat er auf Korsika verbracht, gut erholt ist er zurückgekommen. Was ihn an der Insel reizt? „Die Natur, das Meer und die Ruhe“, sagt Marius Regler. „Der Tourismus ist reduziert, das Leben auf der Insel ist ursprünglich. Ich kann es sehr genießen.“ Jetzt sitzt er wieder an seinem Schreibtisch, vor sich den Bildschirm und die Aktenordner, im Rücken ein Andy-Warhol-Duplikat: Katze in Grün.

Der Chef der Wasserburger Stadtwerke, Dienstherr über 60 Mitarbeiter, blickt auf anstrengende Monate zurück. Corona bestimmte den Terminplan. „Seit März hatten wir viele neue Herausforderungen, die wir so noch nie hatten.“ Schließung des Badria, Kurzarbeit, Sicherstellung der Wasser- und Stromversorgung. „Eine spannende Zeit“, sagt Regler rückblickend. Und zwar deshalb, weil unternehmerische Entscheidungen zu treffen waren und Lösungen für heikle Situationen gefunden werden mussten.

Der 52-Jährige strahlt, wenn er darüber redet, Seriosität und Verlässlichkeit aus, er spricht druckreifes Hochdeutsch, Emotionen lässt er kaum erkennen. Seit nun knapp drei Jahren ist er Leiter des städtischen Versorgungsunternehmens, er agiert mit Ruhe und Souveränität.

Regler setzt auf Eigenverantwortung

Der Ausnahmesituation hat Regler auch positive Seiten abgewonnen: „Wir hatten mehr Zeit zu arbeiten.“ Der Termindruck habe nachgelassen, es habe weniger Anfragen gegeben. Nervös sei er nur dann geworden, wenn Mitarbeiter krank wurden. „So was gab es schon“, räumt Regler ein. „Wir hatten auch einen Corona-Fall, verschiedene Dinge mussten wir daraufhin umorganisieren.“ Das alles habe ganz gut geklappt, auch deshalb, weil er sich auf „richtig gute Leute“ stützen kann. „Die sind sehr selbstständig, sehr motiviert, das ist mein großes Glück.“ Sein Führungsmodell sei ohnehin teamorientiert, er setze auf Eigenverantwortung. „Ich muss nicht jeden einzelnen Arbeitsschritt kontrollieren.“

Das Badria, der Wasserburger Badetempel, für den er die Gesamtverantwortung übernommen hat, verschlingt den größten Teil seiner Arbeitszeit: „Wahrscheinlich mehr als drei Viertel“, schätzt er. Vor einem Jahr bekannte er im Gespräch mit unserer Zeitung: „Das Badria ist einfach groß, vielleicht auch ein Stückchen zu groß.“ Ein Satz, den er heute wiederholen würde. Dabei schwingt die Sorge mit, dass sich die kleine Stadt am großen Badria überhebt, mag es auch ein wichtiger Imageträger sein.

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„Es ist Aufgabe des Stadtrats, jetzt eine strategische Vorgabe zu machen, wo das Bad in fünf, zehn oder zwanzig Jahren stehen soll.“ Man spürt, hier will sich einer nicht nachsagen lassen, den Kopf angesichts der Belastungen in den Sand gesteckt zu haben. Es gehe schlichtweg darum, zu entscheiden, ob das Badria ein Konkurrent der Erdinger Therme oder ein bescheidenes Schulschwimmbad werden soll, sagt er. „Dazu muss man jetzt die Weichen stellen.“ Und zwar deshalb, weil die Instandhaltungsmaßnahmen nicht bis in alle Ewigkeit fortgesetzt werden könnten. „Im Freibecken müssen wie jedes Jahr flickschustern. Es ist ja uralt.“ Auch der Rutschenturm könnte eines Tages teure Reparaturen erfordern, so wie man überall mit unerwarteten Baustellen rechnen müsse.

Berufliche Karriere begann in Berlin

Regler weiß: Das Badria ist hoch defizitär. Der Wirtschaftsplan der Stadtwerke geht für dieses Jahr von einem Minus von zwei Millionen Euro aus – die Verluste durch Corona noch nicht eingerechnet.

In Augsburg ist Regler zur Schule gegangen, hat dort das Abitur gemacht und nach dem Wehrdienst in Berlin studiert – Wirtschaftsingenieurwesen. „Berlin war für mich die absolut attraktivste Universität, dort gab es die besten Wahlmöglichkeiten.“ Paderborn oder Karlsruhe – nein, diese Alternativen konnten ihn nicht reizen.

In der Hauptstadt hat er seine berufliche Karriere bei einer großen Unternehmensberatungsfirma begonnen, doch lange hielt er es dort nicht aus: Er wollte wieder zurück nach Bayern, wollte in der Nähe seiner Eltern sein.

Und so landete er 1999 zunächst in München. Dort fand er eine Stelle bei der Thüga - eine Aktiengesellschaft, die als Partner der Kommunen deutschlandweit an rund 100 Stadtwerken beteiligt ist. 2017 kam er nach Wasserburg, „ganz banal“, wie er sich ausdrückt, durch eine Stellenanzeige. „Mein damaliger Arbeitgeber hat mich etwas genervt.“

Regler mag Wasserburg

Die Stadt am Inn empfing ihn mit offenen Armen. „Der Hauptgrund, weshalb ich die Stelle annahm, war die Tatsache, dass das Votum für mich laut Bürgermeister einstimmig war. Das hat mich sehr beeindruckt.“ Noch heute verspürt er den gleichen Rückhalt, die gleiche Wertschätzung bei den städtischen Verantwortlichen wie damals, auch bei strittigen Themen.

Regler mag Wasserburg, sein Lebensmittelpunkt ist jedoch Prien, wo er sich vor einem Jahr ein Haus gekauft hat. Entspannung verschafft ihm sein Segelboot, gern geht er in die Berge. „Ich hab‘ eine ganz gute Work-Life-Balance“, sagt er. „Das Privatleben ist mir sehr wichtig. Und ich bin ein geselliger Mensch.“

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