Hilfe für die Wasserburger Wirte: Heizpilze sind im Corona-Winter doch erlaubt

Der Sommer ist – noch – in der Verlängerung: Die Mitarbeiterinnen der Touristinfo Wasserburg Andrea Aschauer (rechts) und Carolin Meingassner genießen ihre Mittagspause draußen vor der noch nicht geöffneten Schranne. Doch die Wirte haben ein Problem, wenn der Winter kommt. Viele möchte gerne Heizstrahler aufstellen, das dürfen sie heuer auch.
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Der Sommer ist – noch – in der Verlängerung: Die Mitarbeiterinnen der Touristinfo Wasserburg Andrea Aschauer (rechts) und Carolin Meingassner genießen ihre Mittagspause draußen vor der noch nicht geöffneten Schranne. Doch die Wirte haben ein Problem, wenn der Winter kommt. Viele möchte gerne Heizstrahler aufstellen, das dürfen sie heuer auch.

Vielen Wasserburger Wirten wird ganz kalt ums Herz, wenn sie an den Winter denken. Denn dann fällt die Außengastronomie weg. Doch heuer kann die Terrassen-Saison verlängert werden. Der Bauausschuss hat das Verbot von Heizpilzen auf Sondernutzungsflächen aufgehoben – mit einer Bedingung.

Wasserburg – Die Stadtratsfraktion der CSU/Freie Wähler-Wasserburger Block hatte in einem Antrag gefordert, umzudenken. 2019 waren die Heizstrahler auf Sondernutzungs- sowie auf Pacht- und Mietflächen verboten worden. Wasserburg hat bekanntlich den Klimanotstand ausgerufen: Die Geräte gelten als Energiefresser. Dann kam jedoch die Corona-Pandemie: Die Gastronomen mussten zuerst einen wochenlangen Lockdown aushalten, kämpfen nun mit den Hygiene- und Abstandsregeln. Draußen auf den Terrassen und in den Biergärten läuft das Geschäft gut, drinnen eher schlecht.

Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) betonte im Bauausschuss: „Ich persönlich kann den Antrag sehr gut verstehen.“ Das Verbot von Heizstrahlern sei in der Vor-Corona-Zeit sinnvoll gewesen, jetzt, in der Pandemie, sei es medizinisch notwendig, die Außensaison möglichst zu verlängern.

Wirtschaftsreferent Christoph Klobeck (CSU) nannte die Aussetzung des Verbots für einen Winter „alternativlos“. Den Wirten müsse geholfen werden, schließlich ständen ihnen aufgrund der Abstandsregeln viel weniger Sitzplätze zur Verfügung. Klobeck verwies darauf, es handele sich nur um eine Ausnahmegenehmigung für die aktuelle Wintersaison, die Fraktion stehe hinter den Grundsatzbeschluss, die Heizpilze zu verbieten.

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„Ökologisch der totale Wahnsinn“

Als einziger stimmte Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen, gegen die Aufhebung des Verbots. „Frische Außenluft aufzuheizen mit energiefressenden Geräten: Das ist und bleibt ökologisch der totale Wahnsinn.“ Auch in Pandemie-Zeiten könnten die Gäste draußen sitzen ohne Strahler: „Sie müssen sich nur warm genug anziehen. Das geht“, zeigte sich Stadler überzeugt. Er sieht außerdem die Gefahr, dass sich die Gäste um Heizpilze versammeln – und gerade hier die Abstandsregeln nicht eingehalten würden.

Christian Peiker von der Linken Liste Wasserburg gab Stadler in einem Punkt Recht: „Die Heizgeräte sind eine ökologische Katastrophe.“ Doch in Pandemie-Zeiten müsse sich die Stadt solidarisch mit den Gastronomen zeigen und sie in ihrem Bemühen, die Außensaison zu verlängern, unterstützen. Peiker drängte auf einen Zusatz im Beschluss zum Antrag der Fraktion von CSU/Freie Wähler-Wasserburger Block: Das Verbot solle nur für bestehende stationäre Gastronomiebetriebe ausnahmsweise aufgehoben werden. Peiker sieht sonst die Gefahr, dass Veranstalter die Chance nutzen, um konkurrierende Events zu kreieren und die Außenveranstaltungen mit Heizgeräten zu wärmen. Das soll auch beim Christkindlmarkt, für den die Vorbereitungen unter Corona-Bedingungen laufen, nicht geschehen. Nur in den Hütten dürfen die Mitarbeiter Geräte zum Wärmen aufstellen, draußen soll es auch heuer nicht erlaubt sein.

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SPD-Fraktionsvorsitzende Friederike Kayser-Büker forderte außerdem, Heizpilze unter Zeltdächern auszuschließen. Überhaupt: Zelt mit Dach: Das geht auch im Corona-Winter 2020/2021 nicht, betonte Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann. Sie berichtete, dass bei ihr vier Anfragen von Gastronomen für Zelte vorliegen. „Wir wollen keine Zeltstadt werden.“ Trotzdem wird sich die Stadt jeden Antrag von Wirten genau anschauen und individuelle Lösungen mit ihnen erarbeiten, damit in der Außengastronomie geschützte Bereiche entstehen können, versprach Herrmann. Kölbl warb beim Ausschuss um ein Grundvetrauen, dass die Stadt als Genehmigungsbehörde die richtige Lösungen findet.

Das sagen 2 Wasserburger Wirte

Thanh Van Beck, Inhaberin des Restaurants „Lychee’s, der kleine Vietnamese“, steht Heizpilzen positiv gegenüber. Gerne will sie welche aufstellen, bisher hat sie aber noch keine angeschafft. Drei bis vier dieser Öfen würden für ihre Terrasse ausreichen, schätzt sie, die Kosten würde sie nicht scheuen: „Die kommen ja wieder rein.“ Mehr könne man ja nicht tun, um durch die kalte Jahreszeit zu kommen, sagt Van Beck. Wegen eines Wasserschadens hatte sie das Restaurant im Juni und Juli schließen müssen, umso mehr hofft sie auf ein gutes Geschäft, auch wenn es kühler wird.

Jakob Hastreiter, Inhaber des Queens, hält dagegen nichts von Heizpilzen. „Wahrscheinlich stelle ich keine auf, weil man nicht weiß, ob sich die Investition rentiert. Und nächstes Jahr werden sie vielleicht wieder verboten.“ Ein Problem sei auch, dass sich die Gäste eng um die Öfen scharen würden, „und das darf ja nicht sein.“ Es sei ja nur direkt an den Heizpilzen warm. Hastreiter versucht, mit Trennwänden aus Plexiglas für die notwendige Sicherheit im Innern zu sorgen. win

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