„Mit dem Rückwärtsgang nach vorn“ : Komödie im Bulldog-Kino in Obing ist der Renner

So geht Kino schauen auch: im höhenverstellbaren Logenplatz oder in der Kuschelecke in der Frontlader-Schaufel.
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So geht Kino schauen auch: im höhenverstellbaren Logenplatz oder in der Kuschelecke in der Frontlader-Schaufel.

Autokino? Nein, ein Bulldog-Kino hatten die Diepoldsberger bei ihrem „Open-Air Filmfest“ mit einer riesigen LED-Leinwand. Der Veranstalter „Land schafft Verbindung“ (LsV), Gruppe Südost, suchte sich als Location die Wiese der Familie Freiberger aus. Viele Landwirte haben sich engagiert – auch um etwas für ihre Imagepflege zu tun.

Von Christa Auer

Diepoldsberg/Obing – Aussteigen, die Uhr zurückdrehen und in einer unkomplizierten Welt einfach mal durchschnaufen. Wer wünscht sich nicht manchmal, persönlich und auch beruflich einen Gang runterschalten zu können? Quasi „Mit dem Rückwärtsgang nach vorn“ – so lautete auch der Name der bayerischen Komödie, die beim Bulldog Kino in Diepoldsberg für Begeisterung und jede Menge Lacher sorgte. Die Idee zu der Veranstaltung, die Landwirte und Nichtlandwirte in ungezwungener Atmosphäre zusammenzubringen und für Solidarität untereinander zu werben sollte, hatte Rupert Freiberger vom Verein „Land schafft Verbindung“ (LsV) Gruppe Südost. „Es ist wichtig, den Fokus auf die vielen Auflagen in der Landwirtschaft und ein oftmals negatives Image zu richten“. Das Bulldog-Kino sei dafür perfekt gewesen.

Landwirte halfen zusammen

Die kleine Idee am Biertisch sei zum großen Erfolg geworden und der LsV habe wieder einmal unter Beweis gestellt, was ein paar Landwirte miteinander auf die Beine stellen können. Beispielsweise vor und nach der Stallarbeit binnen weniger Tage ein Open Air Kino für Traktoren und Autos samt notwendiger Infrastruktur zu organisieren und ein entsprechendes Hygienekonzept zu erarbeiten.

Der unentgeltliche Arbeitsaufwand sei enorm gewesen, erzählt Freiberger, der das Bulldog-Kino zusammen mit Josef Hofmeyer und Tobias Heiß organisiert hat. Das ganze Dorf habe mitgezogen und viel Unterstützung sei auch vom Bürgermeister gekommen.

Überwältigende Resonanz

Darum sei es so schön, so Rupert Freiberger, dass es den Besuchern so gut gefallen habe. Die Resonanz an den drei Vorführungsabendenden sei überwältigend gewesen. „Jeder war glücklich, endlich mal wieder rauszukommen“, so Freiberger. Und dann auch noch diese lauen Spätsommerabende.

Die Besucher durften auf ihren Traktoren, Feuerwehrautos oder normalen Pkw in gesichertem Abstand ein paar vergnügliche Stunden verbringen.

„Eine Super Idee“, fand Korbinian aus Palling. Er war am Sonntagabend mit Spezln aus Pittenhart gekommen. „Prima Sache“, sagten die „Koim Briada“, die mit 40 Bulldogs angerückt waren. „Lustiger Film, chilliges Ambiente“, bescheinigte eine Cabriobesatzung aus Wasserburg.

Werbung lief über eine App

Die Werbung per App hatte bestens geklappt und so fanden sich zu den drei Vorstellungen nach Einbruch der Dämmerung jeweils rund 150 Bulldogs und Autos aus der gesamten Region ein. Im „Fuhrpark“ war alles zu finden und der Kreativität keine Grenzen gesetzt. So wurden Frontladerschaufeln zur gemütlichen Kuschelecke eingerichtet, der Gummiwagen mit Liegen bestückt oder Fahrzeugdächer als Logenplatz umfunktioniert. „Der ideale Film war mit „Mit dem Rückwärtsgang nach vorn“, ohnehin gefunden. Mit der amüsanten bayerische 80ies Komödie unter dem Motto: „Früher war alles besser“, die in Co-Produktion mit der Ameranger Schnoifabrik und Studenten der FH Salzburg entstanden ist, hatte der Soyener Jungregisseur Sebastian Schindler genau den Nerv des Publikums getroffen.

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Der Film handelt bekanntlich von einem Dorf im Landkreis Rosenheim, das aus Sorge über die wachsende Technisierung, die Zeit zurückdreht - aber die Rechnung ohne die Jugend gemacht hat. Die will nämlich ohne WLAN und Social Media nicht mit in die vermeintlich goldenen Achtziger.

Inhalt des Films

Das Thema sei quasi aus dem Leben gegriffen, erzählte der Regisseur im Anschluss an die Vorstellung. Auch eine Besonderheit dieser Filmtour. Auf den bisher 20 Stationen waren jeweils Schauspieler des Hauptcasts dabei, die zusammen mit Sebastian Schindler über die Entstehung des Films und die Dreharbeiten erzählten. Die Idee zum Film sei ihm bei Gesprächen mit anderen Dorfbewohnern gekommen, berichtete Schindler. In einem zweiwöchigen Urlaub in einer einsamen Hütte in Thailand habe er das Drehbuch in einem Rutsch fast fertig geschrieben. Dabei sei klar gewesen, dass es eine Komödie mit ernsthaften Zwischentönen werden solle. Die Kabarettisten Michael Altinger, Wolfgang Krebs und Uli Bauer, Johann Schuler („Wer früher stirbt, ist länger tot“), Sepp Schauer („Sturm der Liebe“), Corinna Binzer (Komödienstadl), oder Jonathan Gertis („Dahoam is Dahoam“) sind nur einige der bekannten Namen, die Schindler für seinen Film als Darsteller gewinnen konnte. Dank vieler lokaler Sponsoren und der Bereitschaft der Schauspieler ohne Gage mitzuspielen, habe das Projekt dann verwirklicht werden können, so Schindler. Das Sponsorenbudget habe gerade so für die Verpflegung gereicht. Gedreht wurde „Mit dem Rückwärtsgang nach vorn“ in nur 18 Drehtagen vor allem in Schindlers Heimatgemeinde Soyen , aber auch in Zellereit, Amerang und Albaching. Nach Corona bedingten Startschwierigkeiten ist der Film seit August in den Kinos. Die Nachfrage sei auch ohne Verleih sehr zufriedenstellend, erzählt der Regisseur nicht ohne Stolz.

Schindler hat viele Pläne

Beim Kinostart in Waldkraiburg habe man den Hollywoodstreifen „Tenet“ um 100 Plätze übertroffen. Aber absolut legendär sei das Bulldog-Kino in Diepoldsberg gewesen. „Ein dreitägiges Open Air Filmfest“, freute sich Schindler, der schon voller neuer Ideen steckt und künftig hauptberuflich Werbe- und Spielfilme drehen möchte. „Das ist die Welt, wo ich hinwill“.

Spitzenplatz auf dem Autodach.

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