Super Geschäfte mit Superhelden: Die „Nerds“ trotzen in Wasserburg der Corona-Krise

Erfolg mit den Helden der Computergames und Kinofilme: Inhaber Thomas Lobenstein und sein Mitarbeiter Max Crusius (von links)
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Erfolg mit den Helden der Computergames und Kinofilme: Inhaber Thomas Lobenstein und sein Mitarbeiter Max Crusius (von links)

Die Leerstände in Wasserburg nehmen zu, doch es gibt auch viele Geschäfte, in die neues Leben eingezogen ist – und sogar inhabergeführte Läden, die gut durch die Corona-Krise gekommen sind. Ein Beispiel: „Innventory“, bekannt als die „Nerd-Box“. Hier gibt es alles rund Pokémon, Badman und Captain America.

Von Heike Duczek

Wasserburg –Zwei Orte spielen in der amerikanischen Serie „Big bang theory“ neben den Stars, bis auf Sexbombe Penny alles „Nerds“, eine wichtige Rolle: ihre WG und ihr Comicladen. An ihn erinnert Innventory in der Wasserburger Färbergasse: Regale voller Figuren, Hefte, Konsolen, Sammelobjekte.

Mit Captain America fing die Leidenschaft an

Inhaber Thomas Lobenstein (39) hat sich im April vergangenen Jahres seinen Traum vom eigenen Geschäft erfüllt. Der Laden läuft so gut, dass der Einzelhandelskaufmann Ende 2020 beim Innkaufhaus aufhört und seinen Angestellten Max Crusius (22) tagtäglich im Geschäft unterstützen wird. Letzterer ist eigentlich gelernter Konditor, hat ebenso wie der Chef das Hobby zum Beruf gemacht.

Leidenschaftliche Spielefans stehen hinter der Ladentheke

:Zwei leidenschaftliche Comic- und Spielefans stehen in der „Nerd-Box“ hinter der Ladentheke – und sind so gut wie nie um die Antwort auf eine Fachfrage verlegen. Lobenstein hat als Kind die Leidenschaft für seine Produkte gepackt: Er sammelte Yu-Gi-Oh-Karten und spielte begeistert Super Nintendo auf seinem Gameboy. Seine Helden bis heute: Captain America und Indianer Jones. Letztere waren lange out, sind jetzt jedoch wieder in – vor allem bei Erwachsenen, die damit viele schöne Kindheitserinnerungen verbinden, wie Lobenstein erzählt. Sein Mitarbeiter ist mit Pokémon groß geworden und liebt das gelbe Taschenmonster aus der gleichnamigen Videospielserie bis heute.

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Diese und viele weitere Helden bevölkern die Regale und Produktständer im kleinen Geschäft in der Färbergasse, in dem auch das Lager bis unter die Decke vollgestopft ist mit Produkten aus der Welt der alten und neuen Actionfiguren. Eigentlich liegt das Geschäft etwas abseits von den Besucherströmen, „doch wir haben uns zu einem Geheimtipp entwickelt. Dass es uns gibt, hat sich in der Szene herumgesprochen“, freut sich Inhaber Lobenstein. Die meisten Käufer kommen nach seinen Angaben ganz bewusst und gut vorinformiert, sie wissen genau, was sie wollen. Oft auch Familien: Papa sucht ein Superman-Comic, der Sohn Mangas.

Die „Nerd-Box“ hat eine Nische besetzt. Dass der Laden schwarze Zahlen schreibt, verdankt Lobenstein jedoch auch der Tatsache, dass der Hauseigentümer „eine günstige Pacht“ verlange. Auch während des Lockdown kam er dem Ladenbetreiber entgegen. Der Inhaber steckt nach eigenen Angaben nur das wieder hinein, was finanziell übrig ist. „Ich versuche, alles zu tun, dass ich mich nicht übernehme. Investieren mit der Brechstange, das gibt es bei mir nicht.“. Deshalb komme es auch nicht in Frage, einen Kredit aufzunehmen. „Wenn ich wachse, dann gesund – also aus eigener Kraft“, sagt Lobenstein. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis ist außerdem sein Mitarbeiter Max: „Der ist mit so viel Liebe dabei, macht keinen Dienst nach Vorschrift und kennt sich top aus“, sagt der Inhaber.

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Dank gutem Personal und einer vorsichtigen Geschäftsstrategie hat „Innventory“ auch den Lockdown gut überstanden, berichtet Lobenstein. Doch er bedauert sehr, dass der Spieleraum im Hinterzimmer als Treffpunkt für die Fans der Szene derzeit aufgrund der Corona-Hygieneregeln nicht genutzt werden kann. Trotzdem hat Lobenstein den Lockdown genutzt: um einen eigenen Online-Shop aufzubauen.

Stationäres Geschäft nach wie vor wichtig

Doch das stationäre Geschäft sei trotzdem „ganz, ganz wichtig“, sagen er und Mitarbeiter Crusius. Schauen, anfassen, fachsimpeln: Das funktioniere online nicht. Außerdem würden viele Kunden Spontankäufe tätigen – weil ihnen etwas im Laden ins Auge gefallen sei. Wasserburg ist nach Erfahrung von Lobenstein ein „Top-Standort“ für sein Spezialgeschäft: „Es ist viel los in der Stadt, auch weil viele Touristen kommen. Und wir sind das einzige Geschäft dieser Art zwischen München und Salzburg“, unterstreicht er das Alleinstellungsmerkmal.

Das sagt der Wirtschaftsreferent von Wasserburg

Fachgeschäfte wie die „Nerd-Box“ sind das, „was die Einkaufsstadt Wasserburg ausmacht“, findet Christoph Klobeck, Wirtschaftsreferent des Stadtrates und selber Geschäftsinhaber. Er freut sich, dass die „Nerdbox“ so gut durch die Krise gekommen ist. Denn Läden wie dieser sorgen nach seinen Erfahrungen für das ganz besondere Flair in der Stadt. Das Bild werde in Wasserburg dank engagierter, innovativer und mutiger Geschäftsleute nicht nur von den großen Ketten bestimmt. „Deutschlandweit sind viele Fußgängerzonen eins zu eins austauschbar, bei uns nicht“, sagt Klobeck. Die Mischung macht`s, findet er. Alle Branchen seien nach wie vor gut vertreten in der Einkaufsstadt. Und Geschäfte mit ganz speziellem Sortiment wie der jüngst eröffnete Schallplattenladen in der Berggasse oder das neue Geschäft für Druck und Papier am Marienplatz könnten sogar spezielle Kundenbedürfnisse erfüllen.

Wer ist ein Nerd?

Laut Wikipedia ein Computerfreak, ursprünglich ein Sonderling. Doch spätestens seit der amerikanischen Sitcom „big bang theory“, in der Nerds die Helden sind, ist der Begriff positiv besetzt. Nerds gelten als hoch intelligente Individualisten, die sich sehr für moderne Computerspiele interessieren und gleichzeitig die Retro-Welt der Actionhelden hochhalten. Nerds lieben außerdem die komplexen Geschichten und Botschaften der japanischen Animationsfilme (Anime).

Weltweit die bekanntesten Nerds: die Stars aus der US-Sitcom „Big bang theory“.

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