Wasserburger Kunstrausch bedeutet, „die Kunst zu den Leuten zu bringen“

„Cover Girl“ heißt das Bild von Manuel Michaelis.
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„Cover Girl“ heißt das Bild von Manuel Michaelis.

Es ist ein Schaufensterbummel der anderen Art: Im Mittelpunkt des Interesses stehen Kunstwerke, die neben dem üblichen Warenangebot in den Auslagen präsentiert werden. „Kunstrausch“ heißt die vor drei Jahren ins Leben gerufene Veranstaltung, bei der Künstler diesmal hinter Glas – Corona erforderte wegen der Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen ein neues Konzept – ihre Kreationen darbieten.

Von Winfried Weithofer

Wasserburg

Wenige Tage vor Ende der Aktion kamen jetzt die Veranstalter und mehrere Künstler zusammen, um bei einer Führung von Geschäft zu Geschäft die rund 100 Werke in 25 Schaufenstern gemeinsam zu bestaunen – Bilder und Skulpturen zwischen Büchern und Brillen. Echte Hingucker, die den Bummel durch Wasserburg auf originelle Weise bereichern. Das Organisationsteam – Birgit Michaelis, Max Windholz und Manuel Michaelis – hat es jedenfalls wieder geschafft, mit den Künstlerkollegen eine sich durch die ganze Altstadt erstreckende Galerie aufzubauen, die fasziniert. Lust machen auf Kunst: Das ist die Devise.

„Unsere Absicht ist es eigentlich nicht, dass die Künstler ein Geschäft machen, sondern die Kunst zu den Leuten zu bringen“, sagte Manuel Michaelis am Rande des Treffens und unterstrich ihre Bedeutung: „Kunst ist ja ein maßgeblicher Bestandteil unserer nationalen Identität.

Leute „kleben“ an den Fenstern

Die Präsentation in den verschiedenen Geschäften ist nach seinen Worten auch bestens dazu geeignet, Menschen anzulocken, die sonst um Ausstellungen einen Bogen machen. „Da gibt es schon Schwellenängste.“ Diese aber würden beim „Kunstrausch im Vorübergehen“ – so der ganze Titel im Corona-Jahr – verdrängt.

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Insgesamt 17 Künstler sind an der Schau beteiligt, die in den Vorjahren im dritten Stock des Innkaufhauses zu sehen war. Aber auch jetzt wieder unterstützte das Kaufhaus als Schirmherr die Aktion und half bei der Vorbereitung. Inhaberin Sibylle Schuhmacher sagte, es sei darauf angekommen, in den Schaufenstern die Kunst mit der Ware geschickt zu kombinieren. „Das hat super geklappt, ich bin sehr happy. Die Leute kleben an den Fenstern, sie sind begeistert.“

Birgit Michaelis dankte den Künstlerkollegen und den Ladenbesitzer für ihre Kooperation. „Das ist alles reibungslos verlaufen. Das war für alle ein Experiment, das geglückt ist.“ Manche Inhaber hätten in den Schaufenstern sogar die Beleuchtung optimiert. Verkauft wurden bis zum Wochenende sechs Werke; zehn Prozent der Erlöse fließen einem sozialen Zweck zu. In diesem Jahr wird die „Aktion Wunschbaum“ unterstützt, die zu Weihnachten bedürftige Kinder beschenkt.

Freude über die Aufmerksamkeit

Bei einem gemeinsamen Rundgang kamen die Beteiligten – darunter Fritz Armbruster, Benedikt Riesch, Andreas Pytlik, Katharina Danninger und Christa Bock-Köhler - mit Erläuterungen ihrer Werke zu Wort. Katharina Danninger etwa berichtete an einem Schaufenster des Innkaufhauses, sie habe bei einem senegalesischen Künstler an einem Druckkurs teilgenommen – so habe das afrikanische Element bei einem ihrer Bilder Einfluss genommen, „ohne dass ich es richtig gemerkt habe“.

In einem anderen Schaufenster zeigt der Skulpteur Riesch, ein gelernter Metallbauer, seine raffinierte Kunst: feingliedrige Figuren aus Stahl, mit Bronze überschmolzen. „Das ist eine eigene Technik, die ich entwickelt habe.“ Und er freute sich zusammen mit seinen Künstlerkollegen über die Aufmerksamkeit, die dem „Kunstrausch“ zuteil wird.

Initiatoren des Kunstrausches: Max Windholz sowie Birgit und Manuel Michaelis (von links)
Kebab und Kunst.
Feingliedrig und raffiniert: eine Skulptur von Benedikt Riesch.Weithofer

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