Bürgerentscheid

Ein Krematorium in Kolbermoor? Die Bürger haben eindeutig entschieden

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Am 20. Oktober stimmen die Kolbermoorer darüber ab, ob auf dem Gelände des Neuen Friedhofs Am Rothbachl ein Krematorium gebaut werden soll. Befürworter und Gegner haben ihre Argumente für die OVB-Heimatzeitungen zusammengefasst.

Bekommt die Stadt Kolbermoor eine Feuerbestattungsanlage Am Rothbachl? Darüber stimmten die Kolbermoorer am 20. Oktober, ab. Jetzt steht das Ergebnis fest.

Update 20.10., 20.30 Uhr: Die Bürgerinitiative gegen das Krematorium jubelt

Die Kolbermoorer haben entschieden – gegen das Krematorium am Neuen Friedhof. Dieses Ergebnis stand um 18.53 Uhr fest. Von den 14.603 wahlberechtigten Kolbermoorer Bürgern haben 7241 ihren Stimmzettel abgegeben. 2900 haben für den Bau eines Krematoriums gestimmt, 4313 Bürger sind dagegen – 28 Stimmen waren ungültig. Das ergibt eine Wahlbeteiligung von 49,59 Prozent. Auch das erforderliche Quorum ist damit erreich.

Die Sprecher der Bürgerinitiative „Gegen den Bau eines Krematoriums in Kolbermoor“ Klaus Zirngast und Robert König waren auch im Rathaus und „sehr erleichtert über die eindeutige Entscheidung. Dass es so klar ausgeht, hätte ich nicht gedacht“, sagt Zirngast. Viele Gegner haben sich im Mareis-Saal getroffen und dort sei „ein Jubelschrei“ losgegangen, als das Ergebnis feststand.

Bürgermeister Peter Kloo, der sich für den Bau eines Krematoriums ausgesprochen hatte sagt: „Die Bürger haben eindeutig entschieden.“ Er dankte allen Kolbermoorern, die abgestimmt haben, denn „Demokratie braucht Demokraten“, so der Rathauschef. Und weiter: Er hoffe nun vor allem auf eine Rückkehr zu einer sachlichen Auseinandersetzung bei den anstehenden kommunalen Themen und Projekten. Kloo sagt, es wäre fatal, wenn nun weiterhin vorrangig Emotionen die Entscheidungen in der Kommunalpolitik bestimmten.

Das Ergebnis des Bürgerentscheids sei bisher vorläufig, so Wahlleiter Albert Paukert. „Nach positiver Prüfung ist es rechtskräftig“, erklärt er. Im Laufe des morgigen Montags soll es soweit sein.

Update 18.56 Uhr: Klare Mehrheit lehnt Krematorium ab

Die Stimmzettel sind ausgezählt, jetzt steht das Ergebnis fest: 2900 Bürger haben mit Ja, 4313 Bürger mit Nein gestimmt. Damit lehnen die Kolbermoorer den Bau eines Krematoriums ab.

Update 18.00 Uhr: Die Wahllokale schließen

Die Wahllokale sind geschlossen, jetzt beginnt die Auszählung. Nach ersten Informationen zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab.

Update am 20. Oktober, 17.10 Uhr: Bürgerentscheid zum Krematorium Kolbermoor auf der Zielgeraden

Der Bürgerentscheid geht auf die Zielgerade. Wir veröffentlichen an dieser Stelle heute Abend das Ergebnis, sobald es feststeht.

Alle Infos rund um das geplante Krematorium hat hat die Stadt auf ihrer Internetseite zusammengefasst.

Update 18.10.:

+++ Am Sonntag wird abgestimmt: Großes Echo auf Krematoriums-Pläne in Kolbermoor +++ 

Kolbermoor – Der Kolbermoorer Stadtrat hat mit großer, parteiübergreifender Mehrheit den Bau im Frühjahr befürwortet. Aber es gibt auch die Bürgerinitiative „Gegen den Bau eines Krematoriums in Kolbermoor“, von Menschen, die das Projekt an der geplanten Stelle nicht umgesetzt sehen möchte

Abgestimmt wird am Sonntag, den 20. Oktober,in den Wahllokalen zwischen 8 und 18 Uhr. 

Für die OVB-Heimatzeitungen haben beide Seiten wenige Tage vor der Abstimmung ihre Standpunkte zusammengefasst:

Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo sagt: Auch die Seelsorger befürworten das Projekt

Wie in der gesamten Region, so ist auch in Kolbermoor der Anteil von Urnenbestattungen in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Er liegt mittlerweile bei gut 66 Prozent, mit steigender Tendenz.

Finden Sie hier: Hintergründe und Informationen zum Bürgerentscheid im Infoflyer der Stadt Kolbermoor (PDF) 

Die Feuerbestattungen werden derzeit überwiegend in Traunstein, Fürstenzell und Eggenfelden durchgeführt. Die vorhandene Anlage in Traunstein wird in den nächsten Jahren an ihre Kapazitätsgrenze stoßen.

Die Errichtung einer Feuerbestattungsanlage in Kolbermoor bietet den Bürger*Innen die Möglichkeit, die Verabschiedung ihrer Verstorbenen in einem pietätvollen und würdevollen Umfeld durchzuführen ohne weite Wege oder lange Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen. Deshalb wird das Projekt auch von den in Kolbermoor tätigen Seelsorgern befürwortet.

Im Friedhof Am Rothbachl steht im nordwestlichen Bereich eine etwa 2000 Quadratmeter große, geeignete Fläche zur Verfügung, die für den Friedhof nicht mehr benötigt wird.

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Die verkehrliche Anbindung kann auf kurzem Wege direkt von der Staatsstraße 2078 erfolgen. Aufgrund des vorhandenen Baumbestandes besteht auch keine direkte Sichtbeziehung zu der umliegenden Bebauung. Darüber hinaus kann die bereits bestehende Infrastruktur des Friedhofes sehr gut eingebunden werden und damit der notwendige, würdige Rahmen für eine Feuerbestattungsanlage geschaffen werden.

Da sowohl Bau als auch Betrieb einer modernen Feuerbestattungsanlage strengen gesetzlichen Vorschriften unterliegt, sind sowohl schädliche Emissionen, als auch anderweitige Beeinträchtigungen für den Friedhof und die umliegende Bebauung auszuschließen.

Deshalb hat der Kolbermoorer Stadtrat mit großer, parteiübergreifender Mehrheit im Mai 2019 das Projekt befürwortet.

Robert König, Sprecher der Bürgerinitiative sagt: Ich finde keine Gründe für ein Krematorium in Kolbermoor

Ich bin gegen das Krematorium, die Gründe werden im Video „Pro und Contra“ auf www.wir-sind-kolbermoor.tv in wenigen Minuten verständlich dargelegt.

Lage? Direkt neben Wohnbebauung, Sportanlagen und Gastronomie, in Sichtweite Schule und Kindergarten. Bedarf für Kolbermoor? Am kleinsten öffentlichen Friedhof im ganzen Umkreis soll nun die größte Anlage mit bis zu 7000 Einäscherungen pro Jahr gebaut werden. In 2018 gab es in der Stadt jedoch nur 91 Urnenbestattungen.

Konsequenz? Aus ganz Bayern, ja noch weiter werden Verstorbene zur Einäscherung nach Kolbermoor gefahren. Dadurch erhöhtes Verkehrsaufkommen zuzüglich An- und Abfahrten der Angehörigen. Wartezeiten? Nachweislich keine, wie das OVB in Eigenrecherche veröffentlichte.

Starker Anstieg der Urnenbestattungen? Nein! Die Durchschnitts-Quote von 60 Prozent Feuerbestattungen ist laut Rückfrage bei Bestattern die letzten Jahre stagnierend. Festzustellen bleibt, dass es in der Bestattungskultur in Deutschland ein starkes Nord-Süd-Gefälle gibt. Im eher katholisch geprägten Süddeutschland wird die Erdbestattung weiterhin eine würdevolle Art der Verabschiedung bleiben.

Umwelt und Gesundheit? Beispiel: Für hochgiftiges Quecksilber existiert kein Grenzwert – siehe Broschüre der Stadt Kolbermoor! Hier werden sogar Umweltbelastungen durch Quecksilber in Höhe von fünf Prozent eingeräumt. Lieber sind uns aber null Prozent gesundheitsgefährdendes Schwermetall!

Landschaft? Zerstörung des idyllischen Waldfriedhofs und Vernichtung des gewachsenen Baumbestands durch den Neubau. Unter www.wir-sind-kolbermoor.tv kann sich jeder bei der Friedhofsbegehung einen Eindruck verschaffen. Kernfrage: Welche Gründe sprechen dafür? Ich finde keine! Darum: Nein zum Krematorium in Kolbermoor!

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