Daniela Ludwig (CSU) im OVB-Interview 

"Frau Ludwig, haben Sie schon einmal gekifft?" – Ihre Fragen an die Drogenbeauftragte

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Die Rosenheimerin Daniela Ludwig (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung, präsentiert den Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU) aus Rosenheim, steht einem Dialog offen gegenüber. Wir haben Ihr Fragen weitergegeben. 

Update 4.12.:

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Update 3.12.

Seit September 2019 erst ist sie im Amt, doch die Erwartungen an die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung sind schon jetzt hoch. 

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Wenn Sie Fragen an die Drogenbeauftrage der Bundesregierung haben, dann können Sie uns Ihre Fragen am 3. Dezember bis 14.30 Uhr senden – perWhatsApp  über 0172 - 31 80 90 3, auf Instagram – oder auf Facebook kommentieren! 

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Denn immer wieder betont die Rosenheimerin Daniela Ludwig, dass sie offen sei für den Dialog, nicht alt Hergebrachtes ohne Diskussion übernehmen wollen. Gerade, was die Legalisierung von Cannabis angeht, ein großes Thema. So traf sie sich im November auch mit Vertretern des Deutschen Hanfverbands, der sich über das erste Kennenlerngespräch nach eigenen Aussagen "höchst erfreut" zeigte. 

Während sich Ludwig also in diesen Bereichen noch ergebnisoffen zeigt, zieht sie in Sachen Tabak eine klare Grenze, sagt: "Das Tabakaußenwerbeverbot muss kommen". 

Als Mutter von Zwillingen und Frau in einer Führungsposition hat sie sicher aus diesen Bereichen Interessantes zu berichten. 

8.11.

VON WOLFGANG HAUSKRECHT

Die gesellschaftliche Debatte über Cannabis entwickle sich permanent weiter, dem müsse die Politik Rechnung tragen, sagt Daniela Ludwig. Ob es dazu kommt und wie eine Legalisierung aussehen könnte, sei aber völlig offen. 

Laut dem Drogen- und Suchtbericht 2019 nimmt der Cannabiskonsum weiter zu, insbesondere bei den 18- bis-25-Jährigen. Wie gefährlich ist Cannabis wirklich? Wir haben bei Dr. Eva Hoch nachgefragt. Eva Hoch ist Leiterin der Forschungsgruppe Cannabinoide der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Cannabis - laut aktuellem deutsche Suchtreport hat knapp ein Drittel aller erwachsenen Deutschen schon einmal das Rauschmittel konsumiert

Was ist Cannabis?

Cannabis ist eine Gattung der Hanfgewächse mit psychoaktiven Wirkstoffen. Es wird meist in Form von Haschisch (Harz) oder Marihuana (Gras) als Rauschmittel konsumiert. Bisher wurden 144 verschiedene Cannabinoide entdeckt. Die wichtigsten Hauptwirkstoffe sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). THC ist psychoaktiv und kann das Fühlen, Denken, Handeln verändern. CBD hat möglicherweise eine heilende Wirkung, gilt aber als nicht intoxikierend, also berauschend. Es ist, wie die meisten Cannabinoide, bisher kaum erforscht.

Wie wirkt Cannabis?

Cannabis, sagt Dr. Eva Hoch, könne Glücksgefühle erzeugen, entspannen, die Wahrnehmung verändern und einen Rauschzustand auslösen. „Das sind alles Effekte, die Cannabis bei manchen Menschen zu einer beliebten Freizeitdroge machen. Aber nicht alle spüren diese positiven Wirkungen.“ Cannabis könne auch unangenehme Empfindungen auslösen.

Bei Konsumunerfahrenen oder bei hoher Dosierung können laut Hoch Schwindel, Übelkeit und Erbrechen auftreten. „Das Kurzzeitgedächtnis kann beeinträchtigt sein, es kann zu Gedankensprüngen und Verwirrtheit kommen. Eingeschränkte Aufmerksamkeit und Koordination können beispielsweise die Fahrtüchtigkeit reduzieren.“

Außerdem gibt es das Phänomen eines negativen Rausches: „Cannabis kann Gefühle, die ohnehin da sind, verstärken. So kann es zu Depressivität, Angst, Panik und psychotischen Symptomen kommen.“

Wie Cannabis als Droge wirkt, hänge letztlich von verschiedenen Aspekten ab: Der Hanfsorte, ihren Inhaltsstoffen, dem Verhältnis von THC zu CBD, der genetischen Veranlagung des Konsumenten, seinem Stoffwechsel, der Konsumerfahrung, den Erwartungen an die Droge und auch von der Umgebung, in der sie genommen wird.

Das körpereigene Cannabis-System und zusätzlicher Konsum

Vor 30 Jahren wurde das „endogene Cannabissystem entdeckt“, das jeder Mensch hat. Es ist ein Regelsystem, das dem Organismus hilft, sich an Veränderungen der Umwelt anzupassen. Im ganzen Körper gibt es Cannabinoid-Rezeptoren und Cannabinoide, am häufigsten im Gehirn. „Sie spielen bei Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lernen, Bewegung, Gefühlen, Vergnügen, Belohnung und Appetitregulierung eine wichtige Rolle“, erklärt Hoch. Das THC der Hanfpflanze hat eine ähnliche chemische Struktur. Es kann an den Cannabisrezeptoren binden, allerdings stärker als das körpereigene Cannabis. So entstehen seine vielfältigen Effekte.

Kann Cannabis Psychosen auslösen?

„Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Cannabiskonsum mit erhöhtem Auftreten von Depressionen, Angststörungen, Bipolaren Störungen und Psychosen in Verbindung steht“, sagt Hoch. Dabei scheint es einen Dosis-Wirkungs-Effekt zu geben: Je mehr Cannabis konsumiert wird, desto größer wird das Risiko. „Die Entstehung von psychischen Störungen ist natürlich immer ein komplexes Zusammenspiel aus Veranlagung und verschiedenen Stressoren, aber Cannabis kann einer dieser Risikofaktoren sein.“

Wie groß ist das Suchtpotenzial?

Der aktuelle deutsche Suchtreport zeigt, dass knapp ein Drittel aller erwachsenen Deutschen schon einmal Cannabis konsumiert hat. „Man weiß, dass die meisten davon es einfach einmal ausprobieren wollten und nicht regelmäßig gebrauchen“, sagt Hoch. Etwa einer von zehn Konsumenten entwickle einen klinisch relevanten Gebrauch, nehme teilweise mehrmals täglich Cannabis. Das Leben dreht sich dann um die Substanz, man vernachlässigt andere Dinge. Es kann auch zu psychischen und körperlichen Entzugssymptomen kommen.“ Je früher im Leben und je häufiger Cannabis konsumiert wird, desto größer ist laut Hoch das Risiko einer Abhängigkeit. „Vermutlich gibt es auch eine genetische Veranlagung für eine Suchtentwicklung.“ Im Umkehrschluss könnte das heißen: Je später und je seltener man Cannabis konsumiert, desto geringer ist die gesundheitliche Schädigung, vor allem wenn man kein genetisches Risiko für eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen in sich trägt. Die Behandlungszahlen wegen cannabisbedingten Problemen sind im letzten Jahrzehnt in Europa angestiegen. In Deutschland ist Alkohol immer noch Spitzenreiter bei den Suchtbehandlungen – gefolgt von Cannabis.

Größere Gefahr für Jugendliche

In welchem Alter Cannabis konsumiert wird, mache auf jeden Fall einen Unterschied, betont Hoch. „Bei Jugendlichen ist das Gehirn noch nicht voll ausgereift. Das körpereigene Cannabinoid-System ist an diesem Reifungsprozess beteiligt. Beim Kiffen kommen viele Cannabinoide ins Gehirn. Sie werden nicht so schnell abgebaut wie das körpereigene Cannabis. Das System wird sozusagen überschwemmt.“ Um sich zu schützen, passe sich das Gehirn an. „Seine normale Funktionalität verändert sich. Das kann sich zum Beispiel in einer schlechteren Lern- und Erinnerungsleistung zeigen.“

Bei Erwachsenen sind diese Einschränkungen nach längerer Abstinenz eventuell wieder umkehrbar. Ob das für Jugendliche auch zutrifft, ist laut Hoch noch unklar. „Studien zeigen, dass Jugendliche mit frühem starkem Konsum mehr Schwierigkeiten in der Schule haben. Auch das Risiko einer Abhängigkeit steigt.“

Immer stärkere Hanfzüchtungen

Der THC-Gehalt in den von der Polizei sichergestellten Cannabisprodukten hat sich in den letzten 20 Jahren im Schnitt verdreifacht. Cannabisforscher warnen, dass Produkte mit einem THC-Gehalt über zehn Prozent auch gefährlicher sind. „Ganz wichtig ist, dass der CBD-Gehalt in diesen Produkten oft nur noch sehr gering oder nicht mehr vorhanden ist“, sagt Hoch. CBD kann vermutlich einige der schädlichen Effekte von THC ausgleichen. „Welche Auswirkung das THC/CBD-Verhältnis auf die Gesundheit hat, sollte unbedingt näher erforscht werden“, sagt Hoch.


Cannabis als Arzneimittel

Seit 2017 können chronische Schmerzpatienten Cannabis auf Rezept bekommen. Apotheken lagern das Cannabis im Tresor. „Leider ist die Wirksamkeit von Cannabis-arznei aber gar nicht so gut untersucht, wie oftmals behauptet wird“, sagt Hoch. Die wissenschaftlich beste Datenlage für die Wirksamkeit liege bei Schmerzen vor. „Dabei geht es allerdings nicht um akute Schmerzen, sondern um chronische Schmerzerkrankungen, also solche, die länger als drei Monate anhalten. Gegen akute Schmerzen hat Cannabis kaum eine Wirkung.“ Es habe aber das Potenzial, in Kombination mit anderen Analgetika, zum Beispiel Opioiden oder Antidepressiva, lang anhaltende Schmerzen moderat um etwa 30 Prozent zu mindern.

Studien berichten auch, dass Cannabisarznei helfen kann, besser mit therapieresistenten Schmerzen klarzukommen, wieder mehr Lebensqualität zu haben. „Für Betroffene ist es wichtig zu wissen, dass Cannabisarznei auch unangenehme Nebenwirkungen haben kann, zum Beispiel Müdigkeit, Schwindel oder Übelkeit“, sagt Hoch. In vielen allen anderen medizinischen Bereichen könne man noch wenig über Cannabisarznei sagen. „Wirkung und Verträglichkeit sind noch zu schlecht erforscht.“

Die Rosenheimerin Daniela Ludwig (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung, präsentiert den Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung

Interview mit Daniela Ludwig (CSU): „Viele sagen: Unser Modell funktioniert nicht“

VON MIKE SCHIER

Frau Ludwig, haben Sie schon einmal gekifft?

Nein, ich bin in solchen Dingen null neugierig und eher der vorsichtige Typ. Was ich über Cannabis weiß, ist abschreckend genug.

Trotzdem sagen Sie: Wir brauchen einen neuen Dialog über Cannabis.

Es laufen dazu sehr kontroverse Debatten. Gerne wird der Eindruck vermittelt, das Problem sei allein mit der Antwort auf die Frage zu lösen: Legalisierung – ja oder nein? Diese Frage wird dem Thema nicht gerecht.

Sondern?

Wir wissen, dass der frühe und regelmäßige Konsum von Cannabis schwere Gehirnschäden verursachen kann. Aber gleichzeitig sehe ich, dass Cannabis bei jungen Menschen die illegale Droge Nummer eins ist. Dem müssen wir uns stellen.

Das heißt?

Das allererste ist die Prävention. Wir erreichen junge Menschen überhaupt nicht. Wir brauchen mehr Youtube und Instagram und weniger Flyer. Da müssen wir uns dringend verbessern, weil Cannabis unterschätzt wird. Das zweite ist, einen offenen Dialog zu führen – nicht nur mit Jugendärzten, sondern auch mit dem Hanfverband.

Es gibt ein strenges Verbot, dass offensichtlich nicht funktioniert.

Die Zahlen steigen erstmals wieder seit 2011, gerade bei jungen Menschen. Das besorgt mich wirklich. Jetzt gibt es die einen, die sagen, wir brauchen noch stärkere Repressionen. Die anderen wollen die komplette Freigabe.

Kann ein Kompromiss dazwischen liegen, etwa dass man auf Kleinstkonsumenten nicht die volle Härte des Gesetzes anwendet.

Zum heutigen Tag muss ich sagen: Ich weiß es noch nicht. Ich bin ein paar Wochen im Amt und will mir genau ansehen, wie andere Länder die Problematik regeln. Österreich, die Schweiz, Luxemburg und vor allem auch Portugal. Auch in meiner Fraktion kommen viele zu mir, die sagen, dass unser Modell nicht wirklich funktioniert.

Als Vater eines Teenagers bereitet mir vor allem Sorgen, wenn die Jugendlichen ihr Cannabis bei dem Dealer kaufen, der auch die harten Drogen hat.

So ist es. Ich weiß, in welchem Umfeld die Jugendlichen sich das Zeug kaufen. Das passt mir alles nicht. Deshalb dürfen wir als Politiker diese Entwicklungen nicht einfach ausblenden.

Das sind neue Töne für eine CSU-Drogenbeauftragte. Welche Reaktionen haben Sie bekommen?

Viele Kollegen sind dankbar, dass jemand das Thema offen anspricht. Auch sie kennen viele, die kiffen, und sagen: Wir sind nicht mehr zeitgemäß. International ist einiges in Bewegung geraten in Ländern, die nicht als große Liberalisierer gelten. Gleichzeitig gibt es weiter jene, die ein härteres Vorgehen fordern. Ich rede mit allen, ehe ich ein abschließendes Urteil habe.

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