Premiere für neuen Heimatfilm aus Soyen: Kabarettist drehte mit "rebellischer" Tochter

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Kabarettist, Schauspieler, Musiker – und Vater: Mit seiner Tochter Hannah steht Uli Bauer im Mittelpunkt der neuen Filmkomödie „Mit dem Rückwärtsgang nach vorn“ des jungen Filmemachers Sebastian Schindler aus Soyen. Bauer spielt mal wieder einen Bürgermeister, obwohl er den Job gar nicht mag…

  • Namhafte bayerische Schauspieler und Kabarettisten stehen in der Regionalkomödie "Mit dem Rückwärtsgang nach vorn" vor der Kamera
  • Unter ihnen: Uli Bauer, der jahrelang Münchens Oberbürgermeister Christian Ude doubelte
  • Am 3. August feiert der Film im Freiluftkino Edling am Stoa Premiere 


Oberstraßkirchen/Edling/Prien – Wolfgang Krebs, Michael Altinger, Roland Hefter, Hubbi Schlemmer, Corinna Binzer, Johann Schuler – namhafte bayerische Schauspieler und Kabarettisten hat Jung-Regisseur Sebastian Schindler aus Soyen für seine neue Filmkomödie „Mit dem Rückwärtsgang nach vorn“ verpflichtet. Diese wird nach coronabedingter Verzögerung statt im März jetzt endlich am 3. August im Freiluftkino am Stoa in Edling Premiere haben. Im Mittelpunkt der Provinzkomödie stehen der Bürgermeister und seine Tochter, trefflich gespielt in den Hauptrollen von Uli Bauer und seiner 16-jährigen Tochter Hannah aus Prien am Chiemsee.

Eine perfekte Rolle für Uli Bauer, der Christian Ude mimt

Smartphone, und Laptop, Social Media mit Facebook und Whatsapp, bargeldlos zahlen mit Karte oder App – auch die Kirchenkollekte -– dem Bürgermeister platzt der Kragen und er beschließt mit seiner Gemeinde den persönlichen „Brexit“ aus der modernen Welt: Er will zurück in die unkomplizierten 1980er Jahre. Eine perfekte Rolle für Uli Bauer, kennt er sich doch bestens aus mit dem Job in Rathäusern.

Christian Ude hatte ihn zwar nur als sein Double auf der Bühne im Amt als Münchens Oberbürgermeister geduldet. Aber in Hinterdupfing hatte sich Uli Bauer endlich den Chefsessel im Rathaus gesichert und seitdem geht der politische Karriereweg steil nach oben: Denn jetzt regiert er auch in Oberstraßkirchen. Gut, nur im Film. Aber ein Ort könnte doch diesbezüglich wichtig sein in seinem realen Leben? Die OVB-Heimatzeitungen haben bei dem Kabarettisten, Schauspieler und Musiker nachgefragt.

Interview mit Uli Bauer 

In Oberstraßkirchen hat es mit dem Amt gepasst. Warum hast Du Dich nicht Deinem Heimatort Prien als Bürgermeister beworben? Du hättest nicht viel Werbung gebraucht.

Uli Bauer: Das hab‘ ich mir auch schon gedacht. Corona hätte es möglich gemacht: Als Künstler komplett arbeitslos, und hier in Prien dann gleich Bürgermeister – das wär’s gewesen.

Der Job im Rathaus wäre für Dich genau der richtige, jeder kennt Dich, die meisten mögen Dich…

Uli Bauer:…im Prinzip schon – interessieren würde er mich, aber Tag für Tag? Zudem müsste ich viel zu früh aufstehen, (lauthals lachend) ich weiß nicht, ob das wirklich mein Job wäre.

Im Filmort Oberstraßkirchen passt das wohl schon? Wie war dort der Weg zum Rathaussessel?

Uli Bauer: Ich hatte bei der Präsentation des Films „Ein Dorf steht Kopf“ Filmemacher Sebastian Schindler beim Hubbi in Hemhof getroffen. Beim Ratschen hab‘ ich ihm gesagt, wenn Du mich mal brauchst, ruf mich an. Das muss man ihm nicht zweimal sagen, der Anruf kam schnell. Ich hatte eher eine Nebenrolle ihm Kopf mit ein oder zwei Drehtagen. Meine Frau Raphaela kam zudem auf die Idee, ich sollte doch nach einer Rolle für unsere Tochter fragen. Das Ergebnis war ein fertiges Drehbuch, geschrieben von Sebastian Schindler, mit Hauptrollen für Vater und Tochter. Sie 15, ich zehn Drehtage.

Was war für Dich das Besondere an der Rolle?

Uli Bauer: Ich konnte endlich mal wieder selbst in eine Rolle viel einbringen. Das ist oftmals der Vorteil eines jungen Teams: Sie lassen mehr Freiraum für die Schauspieler. Auch für spontane Ideen waren sie zu haben. Wobei mich ihre enorm professionelle Arbeit überrascht hat. Unglaublich engagiert und diszipliniert – Hut ab.

Mit dem Rücksturz in die 1980er Jahre erzählt der Film auch etwas aus Deinem Leben: Mit den modernen Medien wie Smartphones, Tablets oder Laptops und PCs hast Du’s nicht so dicke. Hast Du Dich in den 80er wohler gefühlt?

Uli Bauer: Schon, in der Zeit begann meine Laufbahn als Kabarettist. Ja, Du hast völlig recht, ich bin ein absoluter Technikverweigerer. Ich hab‘ kein Laptop, kann nicht mit Computern umgehen, wenn ich was brauche, müssen das meine Frau oder meine Tochter für mich machen. Ich glaube, der Sebastian Schindler hat mir die Rolle auf den Leib geschrieben.

Hannah, Du wächst auf mit modernsten Medien, Facebook, Smartphone und Co sind für Dich wie täglich Brot. Für Dich ist doch diese Retro-Geschichte, die der Film erzählt, eher schräg?

Hannah Bauer: Ja natürlich, wie grad‘ gehört hab‘ ich daheim einen Menschen, der sich den modernen Medien verweigert. Deshalb bin ich mit dem Thema bekannt. Und deshalb finde ich auch den Film so spannend, weil ich da die Revolution gegen die älteren Leute führe, die was gegen Technik haben…

(Vater) Was? Ältere Leute?

(Tochter) Ja – ich glaub‘, ich bin durch meinen Vater dem Thema näher als andere Jugendliche…

(Vater) …unglaublich, ältere Leute – warte, bis wir daheim sind…

(Vater und Tochter prusten los…)

Gage spielt keine Rolle 

Wie wäre das Leben für Dich ohne die modernen Medien, Hannah?

Hannah Bauer: Oh – schon schwierig. Die sind doch ein riesiger Teil des Lebens. Gut, ich könnte mich schon noch anders beschäftigen, ich lese zum Beispiel sehr gerne. Aber es wäre eine große Umstellung. Vor allem jetzt während der Corona bedingten Beschränkungen konnte ich meinen Freundinnen und Freunden über soziale Medien doch etwas näher sein.

Zurück zum Film – ein Low-Buget-Film. Leben von der Gage dürfte spannend sein. Warum bist Du trotzdem dabei, Uli?

Uli Bauer: Ich bin gerne mit jungen aufstrebenden Filmemachern unterwegs, bei denen Talent und Engagement zu erkennen sind. Es macht mir Spaß, mit ihnen zusammenzuarbeiten und sie zu unterstützen, da spielt die Gage keine Rolle.

Hannah, Bühnenerfahrung hast Du bereits gesammelt, im Musical Zirkus Furioso spielst Du völlig überzeugend einen Clown. Was ist spannender für Dich – Film oder Bühne?

Hannah Bauer: Beides ist nicht miteinander vergleichbar. Die Arbeit vor der Kamera war eine völlig neue Erfahrung für mich. Theater spiele ich zwar seit der zweiten Klasse, aber Filmen ist doch spannender, auch die Arbeit hinter der Kamera hat mich interessiert.

Musste Dich Dein Vater zu der Rolle überreden? Wen verkörperst Du?

Hannah Bauer: Anfangs war ich mit der Größe der Rolle etwas überfordert. Das Gefühl hat sich aber nach dem ersten Drehtag gelegt. Ich spiele das Mädchen Julia, ungefähr in meinem Alter, es ist sehr rebellisch gegenüber seinem Vater.

Tipps vom Papa "bisschen genervt"

Ein Beispiel aus der Rolle?

Hannah Bauer: Die Julia brüllt ihren Vater oft an, ist mit nichts einverstanden, was er macht, da bin ich schon anders, nicht so’ne schlimme Jugendliche. Ich war nicht so krass in der Pubertät wie die Julia und bin eigentlich mit meinem Vater einverstanden…

(Die Blicke richten sich auf Uli B.) Es stimmt.

Was ist das für ein Gefühl, mit ihm vor der Kamera zu stehen?

Hannah Bauer: Ein Gutes, wir hatten zwar nur wenige gemeinsame Szenen, aber es machte viel Spaß. Ohne ihn konnte ich anfangs das Metier allerdings allein für mich entdecken. Bisschen genervt hat es mich halt, dass er meinte, mir jedes Wort erklären zu müssen, und wie ich zu intonieren habe. Aber unterm Strich war’s doch harmonisch, oder?

(Vater)Ja, durchaus Es ist praktisch, daheim gemeinsam Texte zu proben…

(Tochter) … und es ist auch sinnvoll, Tipps von erfahrenen Leuten zu bekommen…

(Vater)…jetzt sag‘ ja nicht, von alten Leuten.

Rubriklistenbild: © Anita Berger

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